Mittwoch, 5. Dezember 2012

GLÜCKLICHER GRUPPENSIEGER SCHALKE

MONTPELLIER - Die letzten Wochen waren für die Schalker alles andere als erfreulich. In der Liga büßte man einen komfortablen zweiten Platz und fünf Punkte Vorsprung auf den Intimfeind Borussia Dortmund ein. Die kurzfristige Träumerei von der ersten deutschen Meisterschaft nahm ein schnelles Ende. In der Champions League hingegen überzeugten die ungeschlagenen Knappen bisher. Auch am letzten Spieltag sollte es keine Niederlage geben. Das Unentschieden in Montpellier gegen den französischen Meister HSC spiegelte trotzdem die derzeitige Leistungsstärke wieder: Kraftlos und ohne Spielfreude. Die ausstehenden Verlängerungen und Transferspekulationen um Torjäger Huntelaar, Spielmacher Holtby und Trainer Stevens belasten die Mannschaft offensichtlich.



















Herrera erzielte für Montpellier in der 59. Minute den 1:1 Ausgleich. Metzelder (l.) kann nur einmal retten. Foto: AFP

Noch vor wenigen Wochen verriet alleine das Auftreten Stevens über den Gemütszustand auf Schalke. Dem sonst so knurrigen Holländer glitt sogar ein Lächeln über das Gesicht. Die zweite Seite der Medaille war sein aggressives Auftreten gegenüber den Journalisten, welches seine Mannschaft scheinbar anstachelte. Nicht nur nach dem überzeugenden Erfolg im Revierderby gegen Meister Borussia Dortmund, auch nach dem Auswärtssieg beim vermeintlichen Gruppenprimus FC Arsenal war die Euphorie in Gelsenkirchen riesengroß. Es wurde nicht nur von der Meisterschaft, sondern auch von einem ähnlich guten Abschneiden in der Königsklasse wie unter dem ungeliebten Trainer Felix Magath geredet. Fünf Wochen später, nach fünf sieglosen Spielen in der Bundesliga und einem mauen Unentschieden in Montpellier, ist von der Euphorie nur noch wenig vorhanden. Zwar reichte das Ergebnis für den Gruppensieg in der Champions League. Allein profitierten die Schalker aber davon, dass Arsene Wenger ebenfalls einigen Spielern, darunter den deutschen Nationalspielern Lukas Podolski und Per Mertesacker, eine Denk- und Schonungspause verordnete und seine junge Mannschaft den Gruppensieg trotz Führung leichtfertig verschenkte. 

In naher Zukunft geht es also sicher gegen einen Champions-League-Zweitplatzierten. Wie die Zukunft im sportlichen Bereich allgemein weitergeht ist aber unsicher: Die Hauptrolle hierbei nimmt Trainer Huub Stevens höchstselbst ein. Der Vertrag des Holländers läuft bereits am Saisonende aus, rückte in der Wahrnehmung von Sportdirektor Horst Heldt bisher aber noch nicht in den Fokus. Dabei heißt es aus dem Umfeld der Schalker, dass einige Spieler ihren Verbleib mit einer Verlängerung Stevens bedingen. Um Torjäger Klaas-Jan Huntelaar werden seit geraumer Zeit intensive Wechselgerüchte gestreut. Zuletzt wurde gar ein Wechsel in der Winterpause zu Arsene Wenger und dem FC Arsenal proklamiert. Lewis Holtby kokettiert offenbar wegen seiner Verbundenheit zu England ebenfalls zu einem Wechsel in die Premier League. Und nicht zuletzt das Theater um die Torwartrotation, dem einige Pfiffe der Schalker Anhänger gegen Lars Unnerstall vorausgingen, belastet die Mannschaft. Alle diese Unsicherheiten übertragen sich auf das Schalker Spiel und dessen Trainer Huub Stevens. Dieser reagiert mittlerweile dünnhäutig auf Kritik und Fragen der Journalisten. Sein mitunter aggressives Verhalten wird mittlerweile auch als negative Stimmungsmache wahrgenommen. Zuletzt spürten Lewis Holtby und Jefferson Farfan seine Wut beim 0:3 in Leverkusen, als er sie nach einer lautstarken Auseinandersetzung in die Kabine schickte. Auch die sonst so leidenschaftlichen Fans bekommen plötzlich Ärger mit dem Trainer, weil er die Pfiffe nach vier sieglosen Spielen in Folge nicht hören möchte.

Es wird Zeit, dass sich die Schalker Verantwortlichen gezielte Gedanken über die sportliche Zukunft des Vereins machen. Soll Huub Stevens den weiteren Weg des Teams lenken, oder wird einem neuen, womöglich jüngerem Trainer das Vertrauen geschenkt? Mit den vielen Fragen um die Zukunft im Rücken scheint die Mannschaft nämlich nicht umgehen zu können. Weitere ernüchternde Auftritte könnten nämlich die Folge sein. Wenn dies vermieden werden soll, gilt es, Klarheit zu schaffen. Eine Unsicherheit hingegen sollte das Spiel gegen Montpellier gelöst haben: Timo Hildebrand hielt derart überragend, dass die Diskussion um die Nummer eins wohl in Zukunft keine mehr ist.   

TEXT: Frederic Zauels (c)

Donnerstag, 22. November 2012

CHAMPIONS-LEAGUE-MEISTER

AMSTERDAM - Borussia Dortmund galt als Außenseiter in der Gruppe der Landesmeister. Die Königlichen von Real Madrid und der neureiche Scheichklub Manchester City waren hochgehandelt. Ein Spieltag vor Schluss der Gruppenphase ist das Bild ein anderes: Die Borussia steht mit elf Punkten und aufgrund des besseren direkten Vergleichs mit Real Madrid bereits als Gruppensieger fest. Das 4:1 bei Ajax Amsterdam war eine Demonstration der Leistungsstärke und lässt es zu, die Dortmunder als Geheimfavorit zu handeln.
























Mario Götze (r.) und seine Borussia fahren im "Rolls-Reus" durch die Champions-League. Foto: DPA

Den Treffer von Amsterdams Danny Hoesen (86.) kurz vor Schluss konnte die Borussia in Ruhe hinnehmen. Zur exakt gleichen Zeit im letzten Jahr hingegen beendete der damals noch beim FC Arsenal spielende Robin van Persie alle Champions-League-Träume des BVB. Nach dem fünften Spieltag der letzten Saison stand man noch mit vier Punkten und einem einzigen Sieg auf dem letzten Tabellenplatz. Dabei galt der Deutsche Meister neben Arsenal London als Mitfavorit auf das Erreichen des Achtelfinals. Dieses Jahr hingegen kann die letztjährige Tabelle auf den Kopf gestellt werden. Als Underdog zeigt die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp konstant gute Leistungen. Bisher wurde noch kein einziges Spiel in der Champions League verloren. Die Naivität der letzten Jahre wurde abgelegt. Das Spiel an die internationalen Maßstäbe mit deren internationalen Härte angepasst. Statistisch lässt sich die Veränderung unter anderem am Anteil des Ballbesitzes bei der Borussia ablesen. War die Mannschaft im letzten Jahr noch bemüht, dass Spiel zu kontrollieren und mit spielerischen Komponenten die Gegner zu bezwingen, lässt Klopp seiner Mannschaft nun aus einer sicheren Defensive heraus agieren. Im Durchschnitt weist die Statistik deswegen in der Champions League lediglich 40 Prozent Ballbesitz auf, während er in der Bundesliga weit über 70 Prozent liegt. Sicherlich ist die veränderte Spielweise auch auf die vermeintliche „Hammergruppe“ zurückzuführen. Jedoch darf auch angenommen werden, dass die Borussia normalerweise spielstärker ist, als der niederländische Meister Ajax Amsterdam. Entscheidend für den Erfolg sind die Effizienz und die Perfektion des Umschaltspiels. Reus‘ Führung in Amsterdam darf als Paradebeispiel gesehen werden: Nur 11 Sekunden nach der eigenen Balleroberung erzielte der deutsche Nationalspieler nach Vorarbeit von Götze das 1:0.

Schon vor der Pause machte die Borussia dann alles klar. Götze krönte seine beeindruckende Leistung nicht nur mit dem 2:0 (36.) nach einem schönen Solo, sondern auch noch mit der Vorarbeit zum 3:0 (41.) durch Torjäger Lewandowski. Letztgenannter war es auch, der nach der dritten Vorlage Götzes aus spitzem Winkel die Deklassierung Ajax‘ perfekt machte (67.). Danach konnten die Dortmunder und ihre mitgereisten Fans das Spiel beruhigt bis zum Ende laufen lassen. Der schon erwähnte  Anschlusstreffer (86.) des eingewechselten Danny Hoesen war daraufhin nur noch Ergebniskosmetik und ließ wenigstens die heimischen Fans in der ausverkauften Amsterdam-Arena ein wenig jubeln. Mehr jubeln durften aber vor allem die BVB-Spieler, die offenbar gewillt sind nach den beiden enttäuschenden Europapokalsaisons endlich die internationale Klasse nachweisen zu wollen. So scheint nicht nur die taktische Ausrichtung Klopps sich geändert zu haben, sondern auch das Selbstbewusstsein seiner Spieler. Bis jetzt hat es sich ausgezahlt, die höhere Konzentration dem vermeintlich prestigeträchtigeren Wettbewerb zuzuwenden.

Joachim Watzke hatte nach der Gruppenauslosung noch gemeint, dass in dieser Gruppe Helden geboren werden. Auch wenn bei der Borussia einige herausstachen, ist es schwer Helden zu finden. Erstaunlich aber sind die mannschaftliche Geschlossenheit und taktische Disziplin mit der die Dortmunder auftreten. Eigentlich müsste deswegen der ganzen Mannschaft der Heldenstatus verliehen werden.

TEXT: FREDERIC ZAUELS, PICTURE: DPA

Samstag, 10. November 2012

MIT ANGEZOGENER HANDBREMSE


AUGSBURG - Borussia Dortmund gewinnt nach dem triumphalen Unentschieden im Bernabéu auch im vermeintlich ruhigen Augsburg. Individuelle Glanzlichter übertrumpfen einen spielerisch schwachen Auftritt der Klopp-Elf. Für die Augsburger bedeutet die Niederlage einen weiteren Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt. Der Rückstand auf den letzten Bundesligaplatz beträgt bereits fünf Punkte.



Robert Lewandowski war mit zwei Treffern gegen den FC Augsburg Machtwinner der Borussia. (Foto: DeFodi)

Es schlug die achte Minute als Marco Reus mal wieder zu einem seiner gefürchteten Dribblings ansetzte. Augsburgs Verteidiger Langkamp konnte nur noch sein Bein dazwischen stellen und der Dortmunder nahm das Freistoßgeschenk gerne an, verwandelte er doch gleich selbst aus spitzem Winkel mit einem genialen Schuss in selbigen. Der Sonntagsschuss von Reus war für die Borussia aus Dortmund aber offenbar ein Signal, dass Fußballspielen einzustellen. Der Torschütze hatte sich wohl selbst geirrt, glaubte er auch im Nachhinein noch, dass das frühe Tor der Dortmunder Mannschaft eigentlich in deren Karten spielen sollte. Der Dortmunder Motor jedoch stellte auf Kraftsparmodus um. Von da an spielte nur noch die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl, der FC Augsburg. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte schon vor dem Spiel gewarnt und gehofft, dass sein Team nach dem Champions-League-Auftritt in Madrid „die richtigen Gedankengänge für so ein Spiel kanalisieren kann“. Auch wenn es kompliziert klang, so erhoffte sich der sportliche Leiter der Borussia ganz profan, dass seine Spieler das Champions-League-Niveau endlich auch in die Bundesliga konservieren können. In der ersten Hälfte aber war die ein oder andere Sorge der Verantwortlichen aufgrund des Chancenplus des Tabellenletzten verständlich. 

In der Halbzeit fand Dortmunds Trainer, der im Vergleich zum Spiel bei Real Madrid lediglich Sven Bender und Felipe Santana für die angeschlagenen Kehl und Subotic in die Mannschaft rotierte, die richtigen Worte. Jedenfalls schien die Borussia darauf bedacht, dass Spiel beim Tabellenletzten schnell zu entscheiden. Torjäger Robert Lewandowski, um den es in dieser Woche wieder einmal Wechselgerüchte gab, entschied dann auch im Alleingang: Nach ansehnlicher Vorarbeit von Mario Götze setzte er sich gegen zwei Augsburger Verteidiger durch und tunnelte Torwart Jentzsch (51.), bevor Nationalspieler Reus dem Polen so auflegte, dass er nur noch einschieben musste (70.). Zwar traf Sascha Mölders für die Augsburger noch zum Anschluss und beendete somit die 369 Minuten anhaltende Tormisere in der SGL-Arena, doch dies war nur noch Kosmetik.

Die Borussia gewinnt demnach zum zweiten Mal in Folge auswärts und hat die internationalen Plätze weiterhin im Blickfeld. Augsburg und Trainer Weinzierl hingegen müssen sich hinterfragen, ob eine offensive Taktik für die Mannschaft passend erscheint. Die Abschlussschwäche der Augsburger ist bei einem positiven Torschussverhältnis von 13:12 jedenfalls offensichtlich, sodass letztendlich das Ausnahmekönnen der BVB-Spieler den Unterschied ausmachte. Das stellt auch Michael Zorc nüchtern fest: „Die individuelle Klasse entscheidet dann eben solche Spiele.“ Der Augsburger Mannschaft fehlt ein kaltschnäuziger Vollstrecker. Vielleicht kann der Langzeitverletzte Mölders wieder in diese Rolle hineinschlüpfen. Der erfolgreichste Schütze der letzten Saison verzeichnete mit seinem Anschlusstreffer den einzigen Lichtblick für die Fuggerstädter an einem sonst zu vergessenem Nachmittag.

FC Augsburg - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)
0:1 Reus (9.)
0:2 Lewandowski (51.)
0:3 Lewandowski (70.)
1:3 Mölders (82.)
Augsburg: Jentzsch - Callsen-Bracker, Sebastian Langkamp, Klavan, Ostrzolek - Ottl, Vogt (84. Bance) - Koo, Baier, Werner (60. Musona) - Oehrl (69. Mölders)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Gündogan - Großkreutz, Götze (76. Leitner), Reus (85. Kirch) - Lewandowski (74. Schieber)
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sebastian Langkamp (2), Vogt (4) - Sven Bender, Weidenfeller

Donnerstag, 8. November 2012

DER ALTE WEG

MÖNCHENGLADBACH - Lucien Favre ist genervt. Er lamentiert, fuchtelt mit den Armen, zeigt den Schiedsrichtern die Brille. All diese exzentrischen Handlungen kennt man von dem sonst so besonnenem Schweizer eigentlich nicht. Doch diese Saison, so hat Favre schon im Vorfeld mehrfach betont, ist auch für den erfahrenen Trainer kein Alltag sondern eher Ausnahmesituation.
Gladbachs Juan Arango ist bisher einer der wenigen überzeugenden Borussen in dieser Saison. (Foto: dpa)
Borussia Mönchengladbach hat eine berauschende Saison hinter sich. Nachdem ein Jahr zuvor noch der Abstieg verhindert wurde, sicherte sich die junge Mannschaft den vierten Platz, der zur Qualifikation an der Champions-League berechtigt. Die Fans waren entzückt und fühlten sich an die erfolgreichen 70er Jahre mit den heutigen Legenden Netzer, Overath und Vogts erinnert. In ihre Fußstapfen traten nicht nur in fußballerischer Hinsicht Marco Reus, Roman Neustädter und der Brasilianer Dante. Denn auch ihr Abgang wiegt ähnlich schwer, wie der der damaligen Gladbacher Ikonen. Favre sprach von dem Verlust einer „Achse“. Jedoch nicht irgendeiner, sondern der Selben wie beim Weltklub Barcelona: „Das ist dasselbe, als wenn Pique, Xavi und Messi Barcelona verlassen würden.“ Eine Aussage, die nicht nur den Druck von der Mannschaft nehmen soll. Tatsächlich schnitt Favre sein System auf diese Spieler zu. Marco Reus sorgte mit seinen überraschenden und schnellen Dribblings für die kreativen, inspirierenden Momente in einem auf Sicherheit bedachten Spiel, während Neustädter und Dante wegen ihrer spielerischen Klasse den Aufbau übernahmen und defensivtaktisch klug verschoben.

Die sportliche Leitung war also vor der Saison gezwungen, einen Neustart einzuleiten. Der Kader musste mit neuer, auch individueller Qualität gefüllt -, die abgegebenen Spieler ersetzt werden. Es scheint daher kein Zufall, dass mit Álvaro Domínguez (23) und Granit Xhaka (20) zwei junge Talente für die Defensive verpflichtet wurden, die scheinbar ähnliche Anlagen auszeichnen wie ihre Vorgänger. Der Schweizer Auswahlspieler Xhaka ist wegen seiner Größe körperlich ebenso robust wie kopfballstark, kann zudem ein Spiel lesen und Pässe in die Tiefe spielen. Domínguez, der vom Euro-League-Gewinner Atletico Madrid kam, ist ein technisch versierter Innenverteidiger mit einem exzellenten Passspiel. Alleine Luuk de Jong, Torschützenkönig der vergangenen Saison in den Niederlanden stellt einen anderen Stürmertyp als Marco Reus dar. Der holländische Nationalstürmer spielt im Sturmzentrum, kommt über seine Präsenz im Strafraum, ist ein Knipser. Sportdirektor Max Eberl sicherte den Gladbachern so drei der gefragtesten Talente auf dem europäischen Transfermarkt. Dies machte sich natürlich auch auf dem Konto des Europacupteilnehmers bemerkbar. Insgesamt wurden circa 30 Millionen Euro in die Mannschaft investiert.

Lucien Favre musste sich damit zufrieden geben. Eine derartige finanzielle Unterstützung hatte er in Berlin nicht bekommen. Ganz im Gegenteil musste er dort eine Mannschaft trotz Schuldenabbau ins internationale Geschäft führen. In Gladbach aber hoffte der Schweizer, dass die neuen Spieler geradezu prädestiniert seien für sein System. Bisher hingegen wartet er vergeblich auf ihren Durchbruch. In der Qualifikation zur Champions League scheiterte seine Mannschaft an Dynamo Kiew. In der Bundesliga wechseln sich gute Leistungen mit teilweise hohen Auswärtsniederlagen ab. Dabei spielt die Mannschaft kopflos und ergab sich bei den Auswärtsspielen in Dortmund und Bremen schnell in sein Schicksal. Die hohe Anzahl der Gegentreffer entspricht auch nicht dem Favreschen Sicherheitsfußball der letzten Saison, als die Borussia nach dem FC Bayern die zweitbeste Abwehr stellte. Nach zahlreichen individuellen Fehlern waren deswegen auch Xhaka und Domínguez außen vor. Dabei waren sie nicht die einzigen Planstellen, die der Trainer mehrfach auswechselte. Favre experimentierte in Nuancen an seiner Philosophie des Fußballs. Versuchte das Spiel auf die neuen Gegebenheiten anzupassen, ohne Erfolg. Im Moment vertraut Favre daher lieber den Spielern, die letzte Saison noch die Back-Ups waren. Die Routiniers Roel Brouwers und Thorben Marx erfüllen in dem einstudierten Spielsystem die Aufgaben zuverlässiger. In Gladbach geht man also einen Schritt zurück, bevor die neuen Spieler integriert werden. Der erfolgreiche, alte Weg, wird wieder verfolgt.  

In Marseille geht es jetzt darum, dass Überwintern in der Europa-League zu festigen. Vieles wird dann wieder auf die Form von Juan Arango ankommen. Er ist der letzte Mohikaner der überragenden Offensive der letzten Saison. Das Spiel der Gladbacher steht und fällt mit dem schon in letzter Saison überzeugendem Linksfuß. Nach dem Weggang der Gladbacher „Xavis und Messis“ steht der ruhige Venezulaner im Fokus der Öffentlichkeit. Und Lucien Favre erwartet gerade von ihm eine hohe Leistung in jedem Spiel. 

Text: Frederic Zauels

Mittwoch, 31. Oktober 2012

NOCH NICHT ANGEKOMMEN

MÜNCHEN - Bayerns neuer Großeinkauf hat einen Namen: Javier Martínez. Der spanische Nationalspieler braucht aber noch Anlaufzeit. Bisher konnte der als neuer Partner Schweinsteigers auserkorene Mittelfeldspieler nicht überzeugen. Doch Bayerntrainer Jupp Heynckes lässt ihm Zeit.





Martínez (l.) und Schweinsteiger (r.) sollen das neue Traumduo der Münchener werden. 

Martínez ist mit einem schweren Koffer im Gepäck nach München gekommen. Einem Koffer, 
den er tags zuvor noch zum spanischen Ligaverband (BBVA) brachte, gefüllt mit 40 Millionen Euro. Genau diese Summe kostete es den FC Bayern, ihn von seinem ehemaligen Klub Athletic Bilbao freizukaufen. Zwar wird Martínez sicher nicht mit Geldscheinen, sondern einem in dieser Höhe ausgestellten Check den spanischen Ligaoffiziellen entgegen getreten sein, doch scheint sein Start beim wütenden Vizemeister ähnlich schwer, wie seine Ablösesumme. In der Bundesliga absolvierte er erst zwei Spiele von Beginn an. In der Champions League zählte er hingegen jedes Mal zur Stammformation, wusste aber bei der Niederlage im weißrussischen Borisov ebenso zu enttäuschen wie in der ersten Halbzeit gegen Lille. Das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern muss noch verfeinert werden. An das Tempo eines Spitzenteams ist der achtmalige Nationalspieler noch nicht gewöhnt.

Javi Martínez ist ein aufgeschlossener, freundlicher Spieler. Er kommuniziert gerne mit seinen Nebenleuten, auch den Journalisten. Heynckes beschreibt ihn als "bodenständig und ehrgeizig". Er lernt vor dem ersten Training bei den Münchener alle Vornamen der Lizenzspieler und beginnt bereits mit 17 Jahren im Profigeschäft Fuß zu fassen. Erst im Kader des baskischen Clubs Osasuna, aus dessen Jugend und Gegend er stammt sowie später beim Nachbarn aus Bilbao, macht der vielseitige und robuste Spieler insgesamt 250 Erstligaspiele. Erfahrung, die er durch seine Ruhe am Ball ausstrahlt. Er ist ein prädestinierter Defensivallrounder. Seine Fähigkeiten im Zweikampf und seine Körpergröße von 1,90 Meter lassen es ihm zu, im Defensivverbund alle Positionen bekleiden zu können. Er ist der Balancespieler, der die bayrische Defensive mit der Offensive zusammen halten soll. Ein intelligenter Taktgeber, der das Tempo variieren kann, zu dessen Stärken aber nicht unbedingt das Vertikalspiel gehören.   

Mit viel Vorschusslorbeeren kam Martínez also zu den Münchenern: „Er kann unser Mittelfeld auf eine neue Ebene heben“, ergänzte Heynckes die Perspektiven des 40-Millionen-Mannes, ohne ihm dabei eine Stammplatzgarantie auszusprechen. Dabei versprechen sich die Verantwortlichen des FC Bayern viel von ihm: Nämlich nicht nur die Rolle des Schweinsteiger-Partners auszufüllen, sondern auch den zuletzt verletzungsanfälligen Nationalspieler adäquat ersetzen zu können. Ein Makel, dass den Münchenern letzte Saison anhaftete. Noch hat ihm der zweikampfstarke Luiz Gustavo diesen Rang abgelaufen. Noch blieb er von kritischen Fragen verschont, weil die Bayern eine bislang sehr erfolgreiche Saison spielen. Die Zeit aber drängt, auch wenn Heynckes weiß, warum es beim Basken noch nicht rund läuft. Martínez „habe eine schwere Saison vollbracht“, meint der Bayern-Trainer. Er hat das Europa-League-Finale gespielt, ist mit Spanien Europameister geworden, hatte kaum Urlaub und stoß wegen des Wechseltheaters mit seinem Ex-Klub Athletic Bilbao erst verspätet zur Mannschaft. Alles Gründe, die plausibel sind und seine Anpassungsschwierigkeiten erklären, sich aber auf seine physischen Stärken beschränken.

Heute im Pokalspiel gegen Kaiserslautern wird Martínez voraussichtlich wieder zum Stammpersonal gehören. Hierbei muss er sicher nicht seine Klasse unter Beweis stellen. Vielmehr kommt es darauf an, den Rhythmus zu finden und Spielpraxis für die kommenden schweren und zahlreichen Aufgaben zu sammeln. Das auch er, den schwarzen November 2011 der Bayern, als man in der Bundesliga gegen Dortmund und Mainz unterlag, verhindern mag. Denn genau dafür haben ihn die Münchener verpflichtet. Heynckes erwartet deswegen auch in dieser Phase der Saison endlich einen Martínez in Topverfassung: „Wir brauchen Alternativen im defensiven Mittelfeld, vor allen Dingen, wenn wir permanent Mittwoch, Samstag, spielen.“ 

Sonntag, 28. Oktober 2012

MIT RUHE UND AGGRESSIVITÄT

MÜNCHEN - Bayer Leverkusen tritt diese Saison auf der Stelle. Grandiosen Leistungen folgten ernüchternde Unentschieden und daraus resultierend teilweise fahrlässig aus der Hand gegebene Punkte im Kampf um die internationalen Plätze. Das 2:1 in München ist aber mehr als ein Achtungserfolg, ein Ausrufezeichen. Die Bayern hingegen verlieren das erste Mal in dieser Saison.
















Bastian Schweinsteiger konnte heute ebenso wenig überzeugen wie seine Teamkollegen. Für die Münchener war es die erste Pflichtspielniederlage der Saison.


Sami Hyypiä kommt nicht nur aus dem kühlen Norden Finnlands, er verkörpert diese Lebenseinstellung auch. Dank des ehemals Weltklasse-Verteidigers aus Liverpool und neuem Bayer-Trainer ist Ruhe in das hektische Leverkusener Umfeld eingekehrt. Man hätte fast schon anmerken dürfen, dass es still ist, in und um die Bayarena. Der kritische Rudi Völler gab sich ruhiger. Vorstandsboss Holzhäuser schimpfte ebenfalls nicht mehr so häufig, jedenfalls öffentlich, nach trostlosen Auftritten. Vieles war bisher weder Fisch, noch Fleisch. Die Zurückhaltung Völlers und Holzhäusers ist aber auch eine Anerkennung an die Trainer. Hyypiä und seinem Trainerpartner Sascha Lewandowski wird eher zugetraut, die junge Mannschaft zu motivieren und richtig einzustellen, als deren Vorgängern. Nach dem ersten Sieg nach über 23 Jahren in München, könnte die Aufmerksamkeit in Leverkusen nun natürlich wieder steigen. Schließlich besiegte Leverkusen so die scheinbar unbesiegbaren Münchener auch erstmals in dieser Saison.
Dafür wählte das Trainer-Duo nicht nur die richtige Taktik aus, sondern verstand es auch, der Mannschaft die nötige Mischung aus Aggressivität und Ruhe mit auf den Weg zu geben. Leverkusens Lars Bender gab vor dem Spiel die Richtung vor. Es solle alles andere als ein „blutleerer Auftritt“ werden. Genügend Selbstvertrauen sollte nach dem glanzvollen 4:0 bei Rapid Wien in der Europaleague vorhanden sein und die Mannschaftskollegen hatten ihn anscheinend auch richtig verstanden. Vor allem das kompakte Zentrum, bestehend aus dem eher defensiv ausgerichteten Sebastian Reinartz sowie Simon Rolfes und ebenjener Bender verstanden es, die Bewegungsradien von Kroos und Schweinsteiger einzudämmen. Im Normalfall herrschte Überzahl zugunsten der Rheinländer in der Mitte, sodass diese Stärke den Bayern genommen wurde. Zwar müssen sich einige Spieler in Teilen der ersten Hälfte wie die Dortmunder oder Freiburger gestern auf Schnee vorgekommen seien, da die Passstatistik ähnlich negativ ausfiel (im Durchschnitt wechselte der Ballbesitzt nach drei Leverkusener Pässen). Diese Not aber wurde durch eine positive Zweikampfbilanz ausgemerzt. Mit der notwendigen Aggressivität gingen die Leverkusener in die Zweikämpfe. Mit der nötigen Ruhe am Ball wurde auch ab und an von hinten heraus- und Konter ausgespielt. Sodass die Statistik der Werkself in der ersten Halbzeit auch als effektiv beschrieben werden kann: Kießling erzielte kurz vor der Pause nach schöner Vorarbeit des stark aufspielenden Nationalspielers Schürrle das 1:0 (40.) mit dem ersten Torschuss der Leverkusener, während die Münchener sich bereits achtmal versuchten.
In der zweiten Halbzeit stellte Bayern-Trainer Heynckes um. Neuzugang Xherdan Shaqiri sollte die linke Offensive gemeinsam mit David Alaba beleben. In der Schlussphase kam es zu wütenden Angriffen. Doch die Leverkusener Hintermannschaft hatte heute die Ruhe, die Hyypiä ausstrahlt. Kaum einmal stand der Finne von seiner Trainerbank auf, während Kollege Lewandowski hin und wieder alle dreißig Sekunden sich an der Seitenlinie lautstark bemerkbar machte. Die Mischung aus Ruhe und Aggressivität war ansteckend. Auch nach dem Ausgleich von Mario Mandzukic (79.), vorbereitet vom spät eingewechselten, aber sehr agilem Pizarro, das bereits 10. Saisontor des Münchener Neueinkaufs, verfolgte die Mannschaft weiterhin die Vorgaben der Trainer. Es zahlte sich aus. Sidney Sam köpfte nach einer Flanke Castros Boateng so an, dass der Ball den Weg in die linke Torecke fand. Dass es in der Schlussphase nochmals ein wenig hektisch wurde, sollte für die Spieler und Verantwortlichen von Bayer 04 jedoch nur ein kleiner Prolog für die kommende Woche sein.
Bayern München – Bayer Leverkusen 1:2 (0:1) 0:1 Kießling (42.)
1:1 Mandzukic (78.)
1:2 Boateng (87., Eigentor)
München: Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Badstuber (46. Shaqiri) – Luiz Gustavo (59. Robben), Schweinsteiger (74. Pizarro) – Thomas Müller, Toni Kroos, Alaba – Mandzukic
Leverkusen: Leno – Carvajal, Wollscheid, Toprak, Hosogai – Reinartz – Lars Bender, Rolfes – Castro (90. Manuel Friedrich), Schürrle (84. Hegeler) – Kießling (84. Sam
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dante (2), Mandzukic, Shaqiri – Carvajal (3)













Boateng (l.) ahnt bereits von seinem Eigentor, während Sidney Sam (r.) noch nicht sehen kann, dass der Ball im Tor landet. 
TEXT: Frederic Zauels, FOTOS: DPA via Spiegel-Online

Samstag, 20. Oktober 2012

KLOPPS SYSTEMABSTURZ

DORTMUND - Alles war angerichtet. Das 141. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 sollte für den BVB nach zuletzt vielen liegen gelassenen Punkten die Distanz zu den scheinbar übermächtigen Münchenern nicht noch größer werden lassen. Für die Gelsenkirchener ging es darum endlich einmal gegen einen Topgegner zu bestehen.


Jürgen Klopp schaut angestrengt: Seine taktischen Ideen gingen nicht auf. (FOTO: AFP)

„Einfach kann jeder“, hatte Klopp vor dem Spiel gesagt und damit ungeahnt ein Verweis auf die seltenen taktischen Experimente seinerseits, einer Systemumstellung, geliefert. Die wieder in Mode gekommene Dreierkette, gespielt nicht nur von der italienischen Nationalmannschaft sondern teilweise auch vom FC Barcelona war die Reaktion auf die Ausfälle der vier Nationalspieler und Stammspieler des BVB Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Jakub Blaszczykowski . Daneben bekleideten sieben Spieler eine neue Position. Jürgen Klopp stellte radikal um. Für einige seiner Schützlinge war einfach daraufhin auch schwer, zu schwer. Dabei waren die Umstellungen nicht nur Ursache der vielen Verletzten sondern auch eine Anpassung an die Spielweise des Gegners. Die extrem auffälligen Flügelspieler Farfán und Affelay sollten getrippelt werden. Auf der linken Seite übernahmen die Aufgaben im Verbund Mats Hummels, der außenbahnbesetzende Großkreutz und im linken defensiven Mittelfeld Kapitän Sebastian Kehl. Auf der Gegenseite spielten Subotic, Piszczcek und Leitner.

Um es vorweg zu nehmen: Die Maßnahme scheiterte. Gerade Affelay, der das erste Tor Schalkes auf Vorarbeit von Farfán per Direktabnahme erzielte brachte eine überzeugende Vorstellung im ausverkauften Signal-Iduna-Park und scheint endgültig angekommen. Die Dortmunder indes irrten umher. Trainer Klopp versuchte wild gestikulierend von außen einzuwirken. Rief immer wieder Spieler zu sich, um ihnen Anweisungen mitzuteilen. Vor allem der junge Leitner irrte mehrfach im Mittelfeld umher und wusste auch beim Gegentor nicht richtig zu stehen. Die dem BVB sehr nahe stehenden Ruhrnachrichten schrieben gar, dass Dortmund wie eine F-Jugendmannschaft wirkte, die wie eine Horde aufgescheuchter Hühner dem Ball nachjagte. Durch die zahlreichen Ausfälle durfte der größte Fan des BVB, Kevin Großkreutz so auch mal wieder mitspielen, stieß aber bei der Aufgabe gleich die ganze linke Außenbahn zu bearbeiten an seine Leistungsgrenze. So blieb auch die Offensive blass. Der sich in bestechender Form befindende Marco Reus als zweite Spitze neben dem Polen Robert Lewandowski fand ebenso keine Bindung zum Spiel wie sein Partner. Klopp raubte seiner Mannschaft dadurch ihre Stärken im Umschaltspiel.

Die meisten Spieler scheiterten an Klopps Systemaufgabe. Es wusste niemand zu überzeugen. Anders wie etwa Joachim Löw bei der Nationalmannschaft versuchte Klopp deshalb schon innerhalb der Halbzeit die Spielweise zu ändern. In der dreizigsten Minute wurde die Dreier- zur gewohnten Viererkette umfunktioniert. Mit der Einwechslung Schiebers in der 52. Minute wurde zum 4-2-3-1 umgeschaltet. Dafür mussten wieder einige Spieler ihre Positionen wechseln. Sven Bender tat dies in einem Spiel alleine dreimal (!). Aus dem Spiel heraus lief deshalb wenig. Symptomatisch fiel der Anschlusstreffer durch Lewandowski auch nach einer Standardsituation.

Die vielen taktischen Neuerungen sowie zahlreichen Positionswechsel mögen für die Spieler eine gute Ausrede sein, die schwache Leistung zu erklären. Jürgen Klopp stellte sich auch demonstrativ vor seine Mannschaft und nahm die Schuld gerne auf sich. Trotzdem erreichten einige aus seiner Mannschaft an diesem Tag keine Normalform. Es schien gar, als ob die Spieler seinen Worten „wir müssen das Spiel wie jedes Andere angehen, sonst besteht die Gefahr, dass wir überdrehen“ Taten folgen ließ und mit angezogener Handbremse spielten.

Für die Dortmunder, die jetzt bereits 12 Punkte hinter dem FC Bayern liegen, gilt es, am Mittwochabend in der Champions League gegen Real Madrid Wiedergutmachung zu betreiben. Gegen die Mannschaft von José Mourinho um die ehemaligen Bundesligaspieler Sami Khedira und Mesut Özil kann Klopp wahrscheinlich auch wieder mit deren verletzten Teamkollegen aus der deutschen Nationalmannschaft planen. Dann wird man vermutlich keine taktischen Experimente erwarten dürfen. Es sollte der vor allem durch ihre Homogenität und dem einstudierten Pressing überzeugenden Borussia gut tun.

Ibrahim Affelay erzielt das 1:0 (11. Minute) per Direktabnahme. BVB Außenverteidiger Piszczek kann den Einschlag nicht mehr verhindern. (FOTO: REUTERS)


TEXT: FREDERIC ZAUELS, FOTOS: via SpiegelOnline

Dienstag, 16. Oktober 2012

ERST ÜBERZEUGEND, DANN BLAMABEL

BERLIN - Die deutsche Nationalmannschaft sieht zuerst auch gegen die schwachen Schweden wie der souveräne Sieger aus. Der Gegner ist erst wiedermal kein Maßstab für schwierigere Aufgaben. Zu Ende plötzlich der Ausgleich. Es zeigt sich, warum die Stimmung im Team gedämpft ist und Kapitän Bastian Schweinsteiger ermahnte, dass einige ihre Interessen nicht nur der Mannschaft unterordnen.


















Bayerns Thomas Müller stand schon in der ersten Minute kurz vor dem 1:0 (1.).

Nach dem schnellen Führungstor und dem gleich anschließenden Zwei-Tore-Vorsprung, herausgeschossen vom neuen Bomber der Nation Miroslav Klose, konnte der Zuschauer sich etwas unter der Kritik Schweinsteigers vor den beiden WM-Qualifikationsspielen vorstellen. Viele Egoismen kamen zum Vorschein, etwas arrogant wurde mit Hacke und Spitze gespielt. Das aggressive Pressing der ersten Minuten sowie das energische Nachsetzen wurde nicht mehr mit absolutem Eifer praktiziert. Eine Deklassierung Schwedens, wie sie gegen Irland zu sehen war, wurde für das bessere Aussehen des Einzelnen billigend in Kauf genommen. Gegen die Skandinavier, die mit erhöhtem Respekt und wohl auch einer gehörigen Portion Angst wegen des schwachen Auftritts gegen die kleinen Faröer-Inseln antraten, reichte die individuelle Klasse trotzdem mehr als aus. Ernüchternd das Ergebnis. Es bleibt die Frage, wie sich solche Nachlässigkeiten gegen selbstbewusste Mannschaften ausschlagen werden.
Es scheint als habe Joachim Löw nicht mehr die Autorität früherer Tage, einige Spieler nutzen die Bildfläche der Nationalmannschaft zur besseren Vermarktung, trotzdessen auf der Bank Qualität in Masse sitzt. Einige Spieler können sich diese Egoismen anscheinend leisten. Bei Löw haben sie einen hohen Kredit. Dabei ist es offensichtlich, dass die Spieler nur als Teamspieler funktionieren. Mesut Özil lebt durch die filigranen Pässe in die Spitze, versteht es bestens seine Mitspieler mit, wie Fernsehexperte Scholl es ausdrücken würde, „temperierten Zuspielen“ richtig einzusetzen. In seinen Aktionen der ersten Halbzeit hat sich der Spielverlauf schon früh angekündigt. Trotz eines unglaublichen 4:0 Vorsprungs durch weitere Tore von Abwehrspieler Mertesacker und Özil höchst selbst. Auf einmal der Bruch. Auch wenn beim Anschlusstreffer noch die Weltklasse Ibrahimović sichtbar wurde, waren scheinbar ein paar Spieler in Gedanken schon bei ihren Vereinen und den kommenden wichtigen Spielen in den nationalen Ligen als auch der Champions League. Toni Kroos meinte, dass das Spiel auf einmal „zu einfach wurde“. Tatsächlich wurde es schleppend und langsam. Der Schalter konnte nicht mehr umgelegt werden. Zweikämpfe wurden nicht mehr angenommen. In der Nachspielzeit fällt der Ausgleich und keiner weiß so wirklich warum. Es war das erste Mal in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft, dass ein Vier-Tore-Vorsprung noch verspielt wurde.
Da freut es alleine, dass die Teamspieler, jene die sich immer der Mannschaft unterordnen, die Tore schossen. Klose und Mertesacker sind nun wahrlich nicht dafür bekannt offensiv einzelgängerisch aufzutreten. Mehmet Scholl analysierte dann auch den einzigen positiven Effekt des Spiels: Es war definitiv ein Fingerzeig gegenüber der arroganten Spielweise der deutschen Mannschaft. In Zukunft wird Löw wohl mehr Argumente auf seiner Seite haben, seine Schützlinge dazu aufzufordern, nicht nur teilweise, sondern auch über 90 Minuten Fußball zu spielen und Einsatz zu zeigen. Tatsächlich möchte er das Spiel „für alle Zeiten mitnehmen“. Ein scheinbar ironisch, aber ernstgemeinter Kommentar des Bundestrainers.







Rasmus Elm freut sich über seins und Schwedens spätes 4:4 (92.). Philipp Lahm ist konsterniert. 
Text: Frederic Zauels, Fotos: dpa

Freitag, 31. August 2012

ALPTRAUM AUSLOSUNG

NYON - Als Marcel Schmelzer sich vor zwei Wochen erhoffte, dieses Jahr wenigstens einen Gegner zugelost zu bekommen, der die Champions League gewinnen könne, wusste er scheinbar noch nicht, was auf die Dortmunder zukommen kann. Dass seine Mannschaft sich nun gleich mit drei Landesmeistern messen muss, hat er sich daher vermutlich nicht erträumt. Ajax Amsterdam, niederländischer Thronfolger, Manchester City, erstmals nach 44 Jahren Meister in England und Real Madrid, amtierender Champion aus Spanien. Viel schwerer hätte es für den Deutschen Meister wohl kaum kommen können. Dabei haben die teilweise naiven und erschreckenden Leistungen der vergangenen Europapokalsaisons die Dortmunder dazu ermutigt, offensive Aussagen über die diesjährige Champions-League zu tätigen: „Wir wollen die Gruppenphase überstehen“ war der Tenor, den nicht nur Trainer Jürgen Klopp vorgab. Es schien sogar so, als würde der Fokus der jetzigen Saison im Gegensatz zum Titelkandidaten aus München, ganz auf die Königsklasse gelegt und auf die Meisterschaft nur noch mit einem Auge geschielt. Nach der Auslosung der Champions-League-Gruppen im schweizerischen Nyon könnte es zu einem Umdenken der Verantwortlichen der Borussia kommen.
























Jürgen Klopp scheint verzweifelt: Seine Mannschaft zog nicht nur ein "Hammerlos". 

Englands Meister Manchester City, überschüttet mit Geld von einem arabischen Scheich und nach der enttäuschenden letzten Europasaison mit Gier, dieses Jahr die wahre Leistungsstärke zu demonstrieren, ist ein auf dem Papier vermeintlich ebenso ungleichwertiger  Gegner wie die frisch gebackenen Supercup-Sieger Spaniens von Real Madrid. Die „Galaktischen“, trainiert vom Welttrainer José Mourinho, der ab sofort nur noch „The Only One“ genannt werden möchte, haben sich diese Saison nochmals taktisch weiterentwickelt und durch die Verpflichtung des kroatischen Nationalspielers Luka Modric weitere spielerische Qualität hinzugewonnen. Einzig der ehemalige Gewinner der „Königsklasse“ Ajax Amsterdam scheint auf dem Tableau eine machbare Aufgabe, sind die großen Zeiten der Kluiverts und van der Sars längst vorbei und hat sich der Hauptstadtklub eher zu einer Ausbildungsstätte für junge Fußballer etabliert. Nichts desto trotz ist allen Beteiligten wohl bewusst, dass alle diese Teams Ausnahmekönner in ihren Kadern haben, die im Alleingang ein Spiel entscheiden können. Alleine Manchester City gab in den vergangen drei Jahren über 300 Millionen Euro in den Lizenzspielerkader.

Die Reaktionen aus Dortmund könnten unterschiedlicher nicht sein: Während das „Dreigestirn“ um Watzke, Zorc und Klopp von purer Vorfreude, Gänsehautatmosphäre und Nervenkitzel schwärmten, blieb einigen Spielern angesichts der gesteckten Ziele das Wasser im Munde weg. Mannschaftskapitän Kehl sprach von einer „Wahnsinnsgruppe“. Mats Hummels hatte erst gar keine Worte übrig. Für die junge Borussia, die letztes Jahr mit nur einem Sieg aus der Gruppenphase ausschied wird die Champions-League demnach zum erneuten Prüfstein. Dieses Mal jedoch unter anderen Vorzeichen: Sie sind der absolute Außenseiter. Es bleibt die Frage, ob die sich kontinuierlich entwickelte, aber international unerfahrene Mannschaft von Jürgen Klopp diesen Prüfungen gewachsen ist.

Denn selbst Weltfußballer Cristiano Ronaldo konstatierte: „Alle wissen, dass ist die schwerste Gruppe.“ Mit Sicherheit hat er dabei recht. Doch der Fußball lebt vor allem von seiner Spannung und dem Zufall. Nicht alleine deshalb hat sich der Spruch „Im Fußball ist alles möglich“ längst im Fachjargon einiger Aberwitzigen etabliert.

Text: Frederic Zauels, Foto: DAPD

Montag, 27. August 2012

DER HALBE UMBRUCH

KÖLN - Nach dem Weggang von Publikumsliebling Lukas Podolski zum FC Arsenal und den besiegelten Abstieg am letzten Spieltag zogen die Verantwortlichen des FC Köln einen Schlussstrich unter die wohl spielerisch schwächste Erstligasaison der Geschichte – vermeintlich. Der schwache Zweitligastart mit nur einem Punkt aus drei Spielen war sicher nicht eingeplant. Die Handschrift des neuen Trainers Stanislawski ist ebenso noch nicht zu erkennen, wie dessen volles Vertrauen in einen Umbruch mit jungen Spielern. Es scheint, als traue man sich beim FC eine „totale Revolution“ nicht zu – dabei sprechen die bisherigen Ergebnisse dafür.








Enttäuschte Kölner Spieler nach dem 0:2 bei Erzgebirge Aue (Foto: DPA).

Vor der Saison wurden Großverdiener wie die Portugiesenfraktion um Pedro Geromel, Henrique Sereno und dem Altstar Petit ebenso aussortiert, wie die wenigen Leistungsträger der vergangenen Saison Michael Rensing und Skandalprofi Slawomir Peszko. Neu hingegen vor allem Spieler aus der zweiten Mannschaft: Jonas Hector, Lukas Kübler, Kacper Przybylko – allesamt Viertligaerfahren, mehr jedoch (noch) nicht. Einzig Timo Horn, Juniorennationalspieler, vielversprechendstes Torwarttalent seines Jahrgangs, verstärkt dem Namen nach den Kader.

Im Spiel gegen Aue werden die Probleme der Mannschaft klar. Es ist die achtzigste Minute: Die Statistik zeigt eigentlich einen dominierenden FC Köln: 8:0 Ecken, 64% Ballbesitz, 16:4 Torschüsse. Ein normales Ergebnis wäre hierbei ein 2:0, in der Realität führte Gegner Aue mit 2:0. Das Spiel scheint statisch, Laufwege nicht bis zur Perfektion trainiert und das Passspiel einiger Akteure ausbaufähig. Auf einen Rückstand kann das Team nicht entsprechend einer Spitzenmannschaft reagieren. Stanislawski wird im Nachhinein trotzdem das Spiel seiner Mannschaft loben. Zwischen den „Boxen“ habe sein Team sehr gut Fußball gespielt, sagt der exzentrische Trainer. Fußball jedoch wird durch Tore entschieden und die scheint in Köln niemand schießen zu können. Die beiden Stoßstürmer Mikael Ishak und Chong Tese haben noch kein einziges Tor für den Domverein geschossen. Geld für einen qualitativen Spieler, der Tore garantiert, scheint nicht vorhanden. Die jungen, vielversprechenden Spieler wurden entweder (noch) nicht in die Mannschaft eingebaut, oder für nicht gut genug empfunden und in die zweite Mannschaft versetzt. Es wird weiter auf die auffällig nüchtern agierenden Spieler der Abstiegsmannschaft gesetzt. Miso Brecko übt sein Amt als Kapitän bei Leibe nicht so leidenschaftlich aus, wie das Autofahren über Straßenbahnstrecken. Bei  Mato Jajalo und Kevin Pezzoni scheint das Feuer für den Verein bereits komplett erloschen. Die fehlende Leidenschaft führte bereits das ein oder andere Mal zu extremen individuellen Fehlern. Stanislawski und sein Trainerteam halten an diesen Spielern trotzdem fest. Lichtblicke hingegen sind rar gesät. Einer ist sicherlich Timo Horn, der die Vorschusslorbeeren bisher positiv bestätigte und trotz seiner erst 20 Jahre Abgeklärtheit und fußballerische Klasse demonstrierte. Ihm tat es sicherlich gut, dass die Verantwortlichen, vorneweg der neue Vizepräsident und ehemalige Weltklassekeeper Toni Schumacher ihm von vorneherein das Vertrauen aussprachen. Den anderen jungen Spielern wurde hingegen nicht derart demonstrativ der Rücken gestärkt. Umso schwerer fassen sie Fuß. Ansprechende Leistungen durfte bislang nur Jonas Hector zeigen. Enttäuscht haben die jungen Spieler aber noch nicht. Die Erfahrenen jedoch schon. Kredit scheinen sie trotz fehlender Klasse beim Trainerteam zu besitzen. Es stellt sich die Frage, für wie lange noch.



Holger Stanislawski ist verzweifelt ob der naiven Vorstellungen seiner jungen Mannschaft.

Text: Frederic Zauels, Pictures: DPA 

Sonntag, 5. August 2012

IN DER BUNDESLIGA NICHTS NEUES

HAMBURG - Die Bundesligateams stecken noch in Mitten der Vorbereitungen. Schließlich beginnt die Saison erst in drei Wochen, wie schon gewohnt, mit dem DFB-Pokal und das hat für viele Bundesligisten immer noch Freundschaftsspielcharakter. Trotzdem konnten fleißige Beobachter bei dem Werbewettbewerb „LIGA Total CUP“ bereits erahnen, wie die beiden Kontrahenten Dortmund und Bayern in der Sommerpause arbeiten, welche Spielsysteme sie präferieren und wie sich die Neuzugänge präsentieren.




Robert Lewandowski (r.) behauptet den Ball gegen Bremens Marko Arnautovic (l.).

Jürgen Klopp sagte vor dem Spiel gegen Werder Bremen, dass er bekloppt sei, wenn er schon seine Stammformation auf den Rasen schicken würden. Tatsächlich sagen die Aufstellungen noch wenig aus, wird doch rotiert, geschaut wer mit wem zusammen am besten spielen kann und sich aneinander gewöhnt. So werden die Spieler munter durch getauscht, damit jeder einmal mit jedem unter „Wettkampfbedingungen“ zumindest eine Halbzeit absolviert hat.
Nach den beiden Halbfinalpartien gestern, die zu Gunsten von Dortmund und Bremen entschieden wurden trafen im Spiel um Platz drei der FC Bayern München und der Gastgeber, der Hamburger SV aufeinander. Die Bayern präsentierten eine nicht veränderte Spielphilosophie im Vergleich zur letzten Saison. Noch immer wird der Fokus auf das Halten des Balles gelegt. Ballbesitz und Dominanz zeichnen die Bayern weiterhin gegenüber langsamem Umschalten und hohem Pressing aus. Es scheint, als habe es Heynckes einmal mehr versäumt, alternative Spielweisen einzustudieren. Unberechenbarer hingegen werden die Bayern wegen eines Neueinkaufs: Xherdan Shaqiri, der junge Schweizer, 12 Millionen Euro schwer, kann der neue Ribéry werden. Was er am Ball zeigt, scheint außergewöhnlich und kann mehr als eine Waffe werden, als nur Lückenbüßer für die bayrische Flügelzange Robben und Ribéry. Die anderen Transfers aber spielten sich (noch) nicht in den Vordergrund. Mandzukic, zuvor von den Bayern-Verantwortlichen gelobt, trat kaum in Erscheinung und muss nach der Verletzung von Mario Gomez beweisen, dass er zu Recht ein guter Back-Up sein kann. Der junge Emre Can spielte auf ungewohnter Position als linker Verteidiger und zeigte dabei eine wackelige Vorstellung. Für diese Position fehlt es ihm an Schnelligkeit. Es bleibt deshalb fraglich, ob die jungen Spieler unter Heynckes einen Schritt nach vorne machen können. Es könne eben sein, dass viele Spieler ausfallen und sie dann eine Option darstellen, sagte Heynckes im Anschluss. Wer von seinen Spielern überzeugt ist, wählt andere Worte. Dem aus Köln gekommenen, 18-jährigen Siegtorschützen gegen den HSV, Mitchell Weiser, werden die Worte bestimmt negativ aufgestoßen sein. Jürgen Klopp hingegen kennt man anders. Er gerät bei Ausführungen über seine eigenen Spieler gerne in positive Wallungen, lobt seine Spieler über den grünen Klee. Von der Leistung der jungen und neuen Abwehr in der Anfangsviertelstunde gegen Werder Bremen wird er aber kaum Positives berichten können. Der für 400.000 Euro aus Kaiserslautern gekommene Oliver Kirch, der als Back-Up für den polnischen Nationalspieler Lukas Piszczek verpflichtet wurde, scheint dabei noch nicht den Anforderungen Klopps zu entsprechen. Vor dem Spiel gab dieser noch zu Protokoll, dass Kirch ein ausdauernder, schneller Spieler sei, dem das robuste Verteidigen noch beigebracht werden müsste. Doch robustes Verteidigen alleine war beim Spiel gegen die Bremer nicht die einzige Schwäche Kirchs. Es fehlt ihm an Schnelligkeit und Technik. Gegen Bremens Linksaußen Elia verlor er einige Duelle. Die für Klopps Spielsystem wichtige Ballmitnahme im Tempo bereitet ihm Schwierigkeiten. Noch aber sind sowohl Kirch, als auch die anderen Neuzugänge, wie die jungen Bittencourt (18 Jahre, offensives Mittelfeld), Günter (17 Jahre, Innenverteidigung) und Amini (18 Jahre defensives Mittelfeld) nur Kaderergänzungen und für die erste Elf nicht vorgesehen, weshalb die Dortmunder Verantwortlichen beruhigt sein können. Beide zuerst genannten deuteten zudem ihre Klasse bereits an und könnten in näherer Zukunft zu erstklassigen Bundesligaspielern reifen. Ein erstklassiger Bundesligaspieler ist Marco Reus bereits. Der Königstransfer der Borussia, der als bester Spieler der letzten Saison von seinen Kollegen ausgezeichnet wurde, soll die Rolle des nach Manchester gewechselten Kagawas übernehmen und scheint dies ohne Probleme zu können. In Spielübersicht, Technik und Schnelligkeit steht er dem Japaner in keinem nach. Eher noch überzeugt er durch einen effektiveren Abschluss. Nur im Aufnehmen von Defensivaufgaben scheint er noch Nachholbedarf für das Borussenspiel zu haben. Klopp nämlich weicht von seiner erfolgreichen Philosophie nicht ab. Überfallartiges Angreifen über schnelle Außenverteidiger, offensives Pressing und das Schaffen von Überzahlsituationen im Strafraum ist bei den meisten Spielern Dortmunds abgestimmt und eintrainiert. Warum also umstellen?

Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaften der Bundesliga diese Saison ein Mittel finden, das läuferisch aufwendige Spiel Dortmunds auszuschalten. Noch ist aber auch nicht aller Tage Abend. Erwähnte Jürgen Klopp zuletzt, dass es erst an die taktischen Feinheiten gehe, nachdem die Trainingslager vor allem dazu da waren, die Fitness aufzubauen.
Der Endspurt der Vorbereitungen wird scheinbar eingeleitet. Bei den Borussen sind viele Automatismen noch einstudiert. Die unter Zugzwang stehenden Bayern aber scheinen noch im Rückstand. Es ist also noch viel zu tun. Noch sind keine großartigen Neuerungen zu sehen. Auch Matthias Sammer scheint der Mannschaft noch kein  Siegergen verinnerlicht zu haben, wenn man bemerkt, dass die Spieler doch relativ belanglos vernahmen, dass sie gegen Bremen im Elfmeterschießen verloren. Und dann ist da noch die Causa Bastian Schweinsteiger. Schon wieder hatte er Probleme mit seinem Sprunggelenk, nachdem er umgeknickt war. Dass das lädierte Gelenk auf kleinste Erschütterungen reagiert spricht nicht für eine vollständige Heilung seiner Verletzung. Es wäre ihm zu wünschen, dass nichts Schwerwiegendes passiert ist und er die gesamte Vorbereitung absolvieren kann, um zu alter Leistungsstärke zurück findet.  Bisher aber  scheint sich das Pech aus der vergangenen Saison fortzusetzen. Ebenso wie das Spiel der Bayern. In der Bundesliga also bislang noch nichts Neues.

Werder Bremen siegte im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund und gewann den Liga Total Cup 2012.

Text: Frederic Zauels, Pictures: Muenstersche Zeitung und Nordbayern.de