Freitag, 31. August 2012

ALPTRAUM AUSLOSUNG

NYON - Als Marcel Schmelzer sich vor zwei Wochen erhoffte, dieses Jahr wenigstens einen Gegner zugelost zu bekommen, der die Champions League gewinnen könne, wusste er scheinbar noch nicht, was auf die Dortmunder zukommen kann. Dass seine Mannschaft sich nun gleich mit drei Landesmeistern messen muss, hat er sich daher vermutlich nicht erträumt. Ajax Amsterdam, niederländischer Thronfolger, Manchester City, erstmals nach 44 Jahren Meister in England und Real Madrid, amtierender Champion aus Spanien. Viel schwerer hätte es für den Deutschen Meister wohl kaum kommen können. Dabei haben die teilweise naiven und erschreckenden Leistungen der vergangenen Europapokalsaisons die Dortmunder dazu ermutigt, offensive Aussagen über die diesjährige Champions-League zu tätigen: „Wir wollen die Gruppenphase überstehen“ war der Tenor, den nicht nur Trainer Jürgen Klopp vorgab. Es schien sogar so, als würde der Fokus der jetzigen Saison im Gegensatz zum Titelkandidaten aus München, ganz auf die Königsklasse gelegt und auf die Meisterschaft nur noch mit einem Auge geschielt. Nach der Auslosung der Champions-League-Gruppen im schweizerischen Nyon könnte es zu einem Umdenken der Verantwortlichen der Borussia kommen.
























Jürgen Klopp scheint verzweifelt: Seine Mannschaft zog nicht nur ein "Hammerlos". 

Englands Meister Manchester City, überschüttet mit Geld von einem arabischen Scheich und nach der enttäuschenden letzten Europasaison mit Gier, dieses Jahr die wahre Leistungsstärke zu demonstrieren, ist ein auf dem Papier vermeintlich ebenso ungleichwertiger  Gegner wie die frisch gebackenen Supercup-Sieger Spaniens von Real Madrid. Die „Galaktischen“, trainiert vom Welttrainer José Mourinho, der ab sofort nur noch „The Only One“ genannt werden möchte, haben sich diese Saison nochmals taktisch weiterentwickelt und durch die Verpflichtung des kroatischen Nationalspielers Luka Modric weitere spielerische Qualität hinzugewonnen. Einzig der ehemalige Gewinner der „Königsklasse“ Ajax Amsterdam scheint auf dem Tableau eine machbare Aufgabe, sind die großen Zeiten der Kluiverts und van der Sars längst vorbei und hat sich der Hauptstadtklub eher zu einer Ausbildungsstätte für junge Fußballer etabliert. Nichts desto trotz ist allen Beteiligten wohl bewusst, dass alle diese Teams Ausnahmekönner in ihren Kadern haben, die im Alleingang ein Spiel entscheiden können. Alleine Manchester City gab in den vergangen drei Jahren über 300 Millionen Euro in den Lizenzspielerkader.

Die Reaktionen aus Dortmund könnten unterschiedlicher nicht sein: Während das „Dreigestirn“ um Watzke, Zorc und Klopp von purer Vorfreude, Gänsehautatmosphäre und Nervenkitzel schwärmten, blieb einigen Spielern angesichts der gesteckten Ziele das Wasser im Munde weg. Mannschaftskapitän Kehl sprach von einer „Wahnsinnsgruppe“. Mats Hummels hatte erst gar keine Worte übrig. Für die junge Borussia, die letztes Jahr mit nur einem Sieg aus der Gruppenphase ausschied wird die Champions-League demnach zum erneuten Prüfstein. Dieses Mal jedoch unter anderen Vorzeichen: Sie sind der absolute Außenseiter. Es bleibt die Frage, ob die sich kontinuierlich entwickelte, aber international unerfahrene Mannschaft von Jürgen Klopp diesen Prüfungen gewachsen ist.

Denn selbst Weltfußballer Cristiano Ronaldo konstatierte: „Alle wissen, dass ist die schwerste Gruppe.“ Mit Sicherheit hat er dabei recht. Doch der Fußball lebt vor allem von seiner Spannung und dem Zufall. Nicht alleine deshalb hat sich der Spruch „Im Fußball ist alles möglich“ längst im Fachjargon einiger Aberwitzigen etabliert.

Text: Frederic Zauels, Foto: DAPD

Montag, 27. August 2012

DER HALBE UMBRUCH

KÖLN - Nach dem Weggang von Publikumsliebling Lukas Podolski zum FC Arsenal und den besiegelten Abstieg am letzten Spieltag zogen die Verantwortlichen des FC Köln einen Schlussstrich unter die wohl spielerisch schwächste Erstligasaison der Geschichte – vermeintlich. Der schwache Zweitligastart mit nur einem Punkt aus drei Spielen war sicher nicht eingeplant. Die Handschrift des neuen Trainers Stanislawski ist ebenso noch nicht zu erkennen, wie dessen volles Vertrauen in einen Umbruch mit jungen Spielern. Es scheint, als traue man sich beim FC eine „totale Revolution“ nicht zu – dabei sprechen die bisherigen Ergebnisse dafür.








Enttäuschte Kölner Spieler nach dem 0:2 bei Erzgebirge Aue (Foto: DPA).

Vor der Saison wurden Großverdiener wie die Portugiesenfraktion um Pedro Geromel, Henrique Sereno und dem Altstar Petit ebenso aussortiert, wie die wenigen Leistungsträger der vergangenen Saison Michael Rensing und Skandalprofi Slawomir Peszko. Neu hingegen vor allem Spieler aus der zweiten Mannschaft: Jonas Hector, Lukas Kübler, Kacper Przybylko – allesamt Viertligaerfahren, mehr jedoch (noch) nicht. Einzig Timo Horn, Juniorennationalspieler, vielversprechendstes Torwarttalent seines Jahrgangs, verstärkt dem Namen nach den Kader.

Im Spiel gegen Aue werden die Probleme der Mannschaft klar. Es ist die achtzigste Minute: Die Statistik zeigt eigentlich einen dominierenden FC Köln: 8:0 Ecken, 64% Ballbesitz, 16:4 Torschüsse. Ein normales Ergebnis wäre hierbei ein 2:0, in der Realität führte Gegner Aue mit 2:0. Das Spiel scheint statisch, Laufwege nicht bis zur Perfektion trainiert und das Passspiel einiger Akteure ausbaufähig. Auf einen Rückstand kann das Team nicht entsprechend einer Spitzenmannschaft reagieren. Stanislawski wird im Nachhinein trotzdem das Spiel seiner Mannschaft loben. Zwischen den „Boxen“ habe sein Team sehr gut Fußball gespielt, sagt der exzentrische Trainer. Fußball jedoch wird durch Tore entschieden und die scheint in Köln niemand schießen zu können. Die beiden Stoßstürmer Mikael Ishak und Chong Tese haben noch kein einziges Tor für den Domverein geschossen. Geld für einen qualitativen Spieler, der Tore garantiert, scheint nicht vorhanden. Die jungen, vielversprechenden Spieler wurden entweder (noch) nicht in die Mannschaft eingebaut, oder für nicht gut genug empfunden und in die zweite Mannschaft versetzt. Es wird weiter auf die auffällig nüchtern agierenden Spieler der Abstiegsmannschaft gesetzt. Miso Brecko übt sein Amt als Kapitän bei Leibe nicht so leidenschaftlich aus, wie das Autofahren über Straßenbahnstrecken. Bei  Mato Jajalo und Kevin Pezzoni scheint das Feuer für den Verein bereits komplett erloschen. Die fehlende Leidenschaft führte bereits das ein oder andere Mal zu extremen individuellen Fehlern. Stanislawski und sein Trainerteam halten an diesen Spielern trotzdem fest. Lichtblicke hingegen sind rar gesät. Einer ist sicherlich Timo Horn, der die Vorschusslorbeeren bisher positiv bestätigte und trotz seiner erst 20 Jahre Abgeklärtheit und fußballerische Klasse demonstrierte. Ihm tat es sicherlich gut, dass die Verantwortlichen, vorneweg der neue Vizepräsident und ehemalige Weltklassekeeper Toni Schumacher ihm von vorneherein das Vertrauen aussprachen. Den anderen jungen Spielern wurde hingegen nicht derart demonstrativ der Rücken gestärkt. Umso schwerer fassen sie Fuß. Ansprechende Leistungen durfte bislang nur Jonas Hector zeigen. Enttäuscht haben die jungen Spieler aber noch nicht. Die Erfahrenen jedoch schon. Kredit scheinen sie trotz fehlender Klasse beim Trainerteam zu besitzen. Es stellt sich die Frage, für wie lange noch.



Holger Stanislawski ist verzweifelt ob der naiven Vorstellungen seiner jungen Mannschaft.

Text: Frederic Zauels, Pictures: DPA 

Sonntag, 5. August 2012

IN DER BUNDESLIGA NICHTS NEUES

HAMBURG - Die Bundesligateams stecken noch in Mitten der Vorbereitungen. Schließlich beginnt die Saison erst in drei Wochen, wie schon gewohnt, mit dem DFB-Pokal und das hat für viele Bundesligisten immer noch Freundschaftsspielcharakter. Trotzdem konnten fleißige Beobachter bei dem Werbewettbewerb „LIGA Total CUP“ bereits erahnen, wie die beiden Kontrahenten Dortmund und Bayern in der Sommerpause arbeiten, welche Spielsysteme sie präferieren und wie sich die Neuzugänge präsentieren.




Robert Lewandowski (r.) behauptet den Ball gegen Bremens Marko Arnautovic (l.).

Jürgen Klopp sagte vor dem Spiel gegen Werder Bremen, dass er bekloppt sei, wenn er schon seine Stammformation auf den Rasen schicken würden. Tatsächlich sagen die Aufstellungen noch wenig aus, wird doch rotiert, geschaut wer mit wem zusammen am besten spielen kann und sich aneinander gewöhnt. So werden die Spieler munter durch getauscht, damit jeder einmal mit jedem unter „Wettkampfbedingungen“ zumindest eine Halbzeit absolviert hat.
Nach den beiden Halbfinalpartien gestern, die zu Gunsten von Dortmund und Bremen entschieden wurden trafen im Spiel um Platz drei der FC Bayern München und der Gastgeber, der Hamburger SV aufeinander. Die Bayern präsentierten eine nicht veränderte Spielphilosophie im Vergleich zur letzten Saison. Noch immer wird der Fokus auf das Halten des Balles gelegt. Ballbesitz und Dominanz zeichnen die Bayern weiterhin gegenüber langsamem Umschalten und hohem Pressing aus. Es scheint, als habe es Heynckes einmal mehr versäumt, alternative Spielweisen einzustudieren. Unberechenbarer hingegen werden die Bayern wegen eines Neueinkaufs: Xherdan Shaqiri, der junge Schweizer, 12 Millionen Euro schwer, kann der neue Ribéry werden. Was er am Ball zeigt, scheint außergewöhnlich und kann mehr als eine Waffe werden, als nur Lückenbüßer für die bayrische Flügelzange Robben und Ribéry. Die anderen Transfers aber spielten sich (noch) nicht in den Vordergrund. Mandzukic, zuvor von den Bayern-Verantwortlichen gelobt, trat kaum in Erscheinung und muss nach der Verletzung von Mario Gomez beweisen, dass er zu Recht ein guter Back-Up sein kann. Der junge Emre Can spielte auf ungewohnter Position als linker Verteidiger und zeigte dabei eine wackelige Vorstellung. Für diese Position fehlt es ihm an Schnelligkeit. Es bleibt deshalb fraglich, ob die jungen Spieler unter Heynckes einen Schritt nach vorne machen können. Es könne eben sein, dass viele Spieler ausfallen und sie dann eine Option darstellen, sagte Heynckes im Anschluss. Wer von seinen Spielern überzeugt ist, wählt andere Worte. Dem aus Köln gekommenen, 18-jährigen Siegtorschützen gegen den HSV, Mitchell Weiser, werden die Worte bestimmt negativ aufgestoßen sein. Jürgen Klopp hingegen kennt man anders. Er gerät bei Ausführungen über seine eigenen Spieler gerne in positive Wallungen, lobt seine Spieler über den grünen Klee. Von der Leistung der jungen und neuen Abwehr in der Anfangsviertelstunde gegen Werder Bremen wird er aber kaum Positives berichten können. Der für 400.000 Euro aus Kaiserslautern gekommene Oliver Kirch, der als Back-Up für den polnischen Nationalspieler Lukas Piszczek verpflichtet wurde, scheint dabei noch nicht den Anforderungen Klopps zu entsprechen. Vor dem Spiel gab dieser noch zu Protokoll, dass Kirch ein ausdauernder, schneller Spieler sei, dem das robuste Verteidigen noch beigebracht werden müsste. Doch robustes Verteidigen alleine war beim Spiel gegen die Bremer nicht die einzige Schwäche Kirchs. Es fehlt ihm an Schnelligkeit und Technik. Gegen Bremens Linksaußen Elia verlor er einige Duelle. Die für Klopps Spielsystem wichtige Ballmitnahme im Tempo bereitet ihm Schwierigkeiten. Noch aber sind sowohl Kirch, als auch die anderen Neuzugänge, wie die jungen Bittencourt (18 Jahre, offensives Mittelfeld), Günter (17 Jahre, Innenverteidigung) und Amini (18 Jahre defensives Mittelfeld) nur Kaderergänzungen und für die erste Elf nicht vorgesehen, weshalb die Dortmunder Verantwortlichen beruhigt sein können. Beide zuerst genannten deuteten zudem ihre Klasse bereits an und könnten in näherer Zukunft zu erstklassigen Bundesligaspielern reifen. Ein erstklassiger Bundesligaspieler ist Marco Reus bereits. Der Königstransfer der Borussia, der als bester Spieler der letzten Saison von seinen Kollegen ausgezeichnet wurde, soll die Rolle des nach Manchester gewechselten Kagawas übernehmen und scheint dies ohne Probleme zu können. In Spielübersicht, Technik und Schnelligkeit steht er dem Japaner in keinem nach. Eher noch überzeugt er durch einen effektiveren Abschluss. Nur im Aufnehmen von Defensivaufgaben scheint er noch Nachholbedarf für das Borussenspiel zu haben. Klopp nämlich weicht von seiner erfolgreichen Philosophie nicht ab. Überfallartiges Angreifen über schnelle Außenverteidiger, offensives Pressing und das Schaffen von Überzahlsituationen im Strafraum ist bei den meisten Spielern Dortmunds abgestimmt und eintrainiert. Warum also umstellen?

Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaften der Bundesliga diese Saison ein Mittel finden, das läuferisch aufwendige Spiel Dortmunds auszuschalten. Noch ist aber auch nicht aller Tage Abend. Erwähnte Jürgen Klopp zuletzt, dass es erst an die taktischen Feinheiten gehe, nachdem die Trainingslager vor allem dazu da waren, die Fitness aufzubauen.
Der Endspurt der Vorbereitungen wird scheinbar eingeleitet. Bei den Borussen sind viele Automatismen noch einstudiert. Die unter Zugzwang stehenden Bayern aber scheinen noch im Rückstand. Es ist also noch viel zu tun. Noch sind keine großartigen Neuerungen zu sehen. Auch Matthias Sammer scheint der Mannschaft noch kein  Siegergen verinnerlicht zu haben, wenn man bemerkt, dass die Spieler doch relativ belanglos vernahmen, dass sie gegen Bremen im Elfmeterschießen verloren. Und dann ist da noch die Causa Bastian Schweinsteiger. Schon wieder hatte er Probleme mit seinem Sprunggelenk, nachdem er umgeknickt war. Dass das lädierte Gelenk auf kleinste Erschütterungen reagiert spricht nicht für eine vollständige Heilung seiner Verletzung. Es wäre ihm zu wünschen, dass nichts Schwerwiegendes passiert ist und er die gesamte Vorbereitung absolvieren kann, um zu alter Leistungsstärke zurück findet.  Bisher aber  scheint sich das Pech aus der vergangenen Saison fortzusetzen. Ebenso wie das Spiel der Bayern. In der Bundesliga also bislang noch nichts Neues.

Werder Bremen siegte im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund und gewann den Liga Total Cup 2012.

Text: Frederic Zauels, Pictures: Muenstersche Zeitung und Nordbayern.de