Samstag, 21. September 2013

MISTER HALBSMART

In den Gazetten kam er noch glimpflich davon. Vergleiche zu „Dr. Jekyll und Mr. Hide“ wurden ebenso gezogen, wie der erneute Ausbruch des vor Neapel liegenden Vulkans Vesuv. Doch der Ausraster von Jürgen Klopp ist mehr, als die Vergleiche hergeben. Er ist hausgemacht. Wenn ein Stadion bebt, die Fans bis zum Anschlag mitgehen, Pyrotechnik die Stimmung anheizt, dann fließt auch bei Jürgen Klopp das Adrenalin schneller. Dann erwacht im Trainer Klopp die Spielerpersönlichkeit des Jürgen K. Der „Gerechtigkeitsfanatiker“ taumelt in seinem Element. Giftet gegen Schiedsrichter, gegnerische Trainer und Sportdirektoren, gegen alles, was ihm gerade über den Weg läuft.

Zwar sind seine Opfer weder an Leib, Leben oder Besitz zu Schaden gekommen, von traumatischen Erfahrungen könnte der vierte Offizielle Tomé aus Portugal nach dem Wutangriff mit gefleischten Zähnen allerdings später berichten. Klopp gab das Bild eines losgelassenen Terriers ab. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der Trainer sich selbst von der Leine lässt. Als er vor drei Jahren einem überforderten wirkenden Stefan Trautmann seine BVB-Baseballcap ins Gesicht drückt, glauben viele, dass allein diese Cap schlimmeres verhindert habe. Schließlich versperrte sie den direkten Kontakt der beiden Hitzköpfe. Der damalige DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich sprach damals von einem „aggressiven Potenzial“, welches in Klopp stecke. Hieraus könnten „gewaltsame Exzesse“ entstehen warnt er. Die Leute schmunzelten. Nach dem Vulkanausbruch am Vesuv muss Klopp nun aber achten, nicht seinen Ruf zu verlieren.

Den größten Schaden hingegen, dass merkte der eigentlich smarte Klopp schnell, fügte er mit dieser Aktion seiner Mannschaft zu. Der Mannschaft, die von der Emotionalität des ehemaligen Mainzers doch eigentlich profitiert und in wichtigen Spielen stets über sich hinaus wuchs. Die, obwohl sie spielerisch unterlegen, durch Leidenschaft und Einsatz vieles übertrumpft. Am Mittwoch, so Klopp bei sky, sei der emotionale Weidenfeller auch wegen ihm vom Platz geflogen. Tatsächlich wirkte sein Team nach seinem Platzverweis äußerst verunsichert, auch verwirrt. Die Minuten nach seinem Verweis auf die Tribüne sind hektisch und verlaufen unglücklich. Erst Co-Trainer Buvac gelang es in der Halbzeit, beruhigende Worte zu finden.   


Gestern erlebte Klopp auch einen sehr ruhigen und emotionalen Moment. Bei der Beerdigung seines früheren Trainers und Freundes Wolfgang Frank hielt der gebürtige Stuttgarter die Todesrede. Dort war der Trainer in seinem anderen Element und bewies eindrucksvoll seine ausgezeichneten Fähigkeiten als rhetorisch wertvoller Redner, der zu jeder Zeit den richtigen Ton trifft. 

Mittwoch, 11. September 2013

RÜCKKEHRER SOLLEN RÜCKKEHR IN DIE BUNDESLIGA ERMÖGLICHEN


KÖLN/HAMBURG. Fahrig ist der FC aus Köln in die Saison gekommen. Drei Unentschieden in Folge gab es zu Beginn der Zweitligasaison. Nach dem fünften Spieltag ist die Euphorie in und um die Domstadt aber wieder riesengroß. Aus den letzten vier Partien siegten die Kölner gleich  dreimal. Dafür zeichnen sich einige Rückkehrer verantwortlich. Im Team vom neuen Trainer Peter Stöger nehmen Marcel Risse und Slawomir Peszko die Flügel ein. Sie sind die Robben und Riberys des Traditionsvereins. Dazu der ehemalige Nationalspieler Patrick Helmes, der beim ersten Spiel gleich doppelt traf. Die Rückkehrer sollen den FC wieder in die erste Liga führen. Dort sehen sich Aushilfskapitän Risse, Helmes und Peszko auch. Der 29-Jährige Helmes hat genauso wie Peszko mit dem FC einst dort gespielt. Risse ist zwar ein echter Kölner, hat aber die Jugendakademie von Erzrivale Bayer Leverkusen durchlaufen. Das ist jetzt egal. Alle sind sie in ihre Stadt zurückgekehrt um aufzusteigen. Risse, in dieser Saison bereits mit vier eigenen Toren und Peszko, der im ersten Spiel seit seiner Rückkehr direkt ein Tor schoss und eins vorbereitete, sind die gefährlichsten und schnellsten Außen der Liga. Kölns neuer Trainer Peter Stöger gewährt ihnen dafür im taktischen System des Aufstiegsfavoriten Freiheiten. Wenn beim 13-maligen Nationalspieler Helmes nach seinem Kreuzbandriss das nötige Selbstvertrauen zurückkehrt, dann könnte gar ein neues, altes Kölsches Dreigestirn entstehen. Dafür verzichtete der torgefährliche Ur-Kölner und Ex-Leverkusener sogar auf 1,5 Millionen Euro Gehalt aus Wolfsburg.

Marcel Risse (l.) bejubelt sein 2:0 gegen Erzgebirge Aue. Peszko herzt ihn dafür. Foto: getty images

Die Kölner Fans wissen artgerecht mit ihren Schützlingen umzugehen. Nach einem Sieg feiert die Domstadt die Mannschaft und sieht sie schon unangefochten auf dem Weg zum Titel. Marcel Risse sieht dem ganzen Treiben skeptisch gegenüber. Er sei trotz seiner Vorliebe für „Tattoos und dicke Autos“ eher der ruhige Typ, versichert der 23-Jährige.  Auch der Pole Peszko, der durch seine damalige Alkoholfahrt in Köln mit der anschließenden Suspendierung erst noch den Kredit der Fans zurückgewinnen muss, bläst leise Töne. „Ich war bei meiner Auswechslung völlig fertig, aber glücklich. Ich habe mir so gewünscht, wieder hier zu spielen. Und das es dann gleich so klappt, unglaublich“. Dabei war seine Rückholaktion alles andere als simpel. Der vom italienischen Fiskus mit Argusaugen beobachtete FC Parma hält die Transferrechte des polnischen Nationalspielers. Sie wollten den Leihbedingungen der Kölner zunächst aber nicht zustimmen. Erst das Verhandlungsgeschick von Sportdirektor Schmadtke begünstigte die Rückkehr. Schmadtke, auch neu gekommen und auch ein Ex-Kölner, träumt von einer erfolgreichen Saison.

Denn Aufsteigen, dass wollen sie in Köln. Und zwar möglichst bald. Dafür sind nicht nur die drei verlorene Söhne zurück in die Stadt am Rhein gekehrt. Eine vielversprechende Perspektive.  

Dienstag, 10. September 2013

HUMMELS NACH LÄNDERSPIEL UND KLOPP-SCHELTE IN DER KRITIK


HAMBURG. Auch heute Abend vertraute Jogi Löw ihm nicht. Stattdessen liefen Jerome Boateng und Per Mertesacker auf den windigen Färöer-Inseln auf. Doch heute präsentierte sich der 24-Jährige den ohnehin nicht so zahlreich erschienenen Medien nicht schon demonstrativ vor dem Anpfiff der Partie auf der Ersatzbank der DFB-Elf, als wolle er die Entscheidung Löws als überraschend darstellen. Ganz im Gegenteil ist Löws Nichtnominierung die logische Konsequenz des schwachen Saisonstarts vom Dortmunder. 
 
Mats Hummels schaut skeptisch. Er sitzt alleine auf der Ersatzbank des DFB beim Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft gegen Österreich. Foto: Lorenz Baader via Bild.de

Nicht nur in der Nationalmannschaft ist der Dortmunder zurzeit außen vor. Auch im Verein droht ihm Rückenwind. Jürgen Klopp nahm seinen Schützling bei der Partie in Frankfurt zur Pause raus. Zu viele Stellungsfehler fabrizierte der in der letzten Saison noch sichere Hummels. Handelte sich zudem eine gelbe Karte ein. Es war nicht der erste Fingerzeig vom Dortmunder Trainer gegenüber seinem Spieler. Schon in der laufenden Woche monierte der Übungsleiter lautstark, dass Hummels die Übung nicht mit der notwendigen Leistung absolviere. Hummels widersprach. Dabei scheinen die Probleme des gebürtigen Müncheners hausgemacht. Bereits in der letzten Saison zeigte er vor allem zu Beginn eklatante Abstimmungsschwierigkeiten mit seinem Partner Subotic. Verzettelte sich oftmals in unnötigen Aktionen und verlor den Ball. Weil Klopp seit dieser Saison in Sokratis einen starken Ersatz hat, spielt der Grieche, wenn einer seiner Stammverteidiger schwächelt. Die Wohlfühloase Dortmund mit sicheren Stammplätzen gibt es nicht mehr.

Klopp möchte offenbar auch das Spiel von Hummels variieren. Der 25-fache Nationalspieler soll einfacher, sicherer spielen. Seine gefürchteten Pässe, die oftmals das Spiel eröffnen aber gleichzeitig risikoreich sind, weniger einstreuen. In Ilkay Gündogan und Nuri Sahin hat Klopp zwei andere Spieler für diesen Job auserkoren. Die noch eine Linie höher stehen und deshalb direkter die Dortmunder Spitzen einsetzen können. Hummels gefällt das nicht. Genauso wenig wie die lobenden Worte für seinen Konkurrenten Jerome Boateng., welcher sich „in einigen Belangen deutlich verbessert habe“. 

Joachim Löw und Jürgen Klopp wissen aber, was sie an dem filigranen Spieler haben. Löw wollte nach dem Spiel gegen Österreich nochmal ausdrücklich betonen, dass er „ein großer Fan der Qualitäten von Hummels sei“. Auch Klopp wird wohl auf kurz oder lang nicht auf die öffnenden Pässe des Innenverteidigers verzichten wollen. Die derzeitigen Degradierungen Hummels dürften aber für den ehemaligen Bayernspieler ein wichtiges Indiz sein. Auf den Vorschusslorbeeren der vergangenen Saison darf sich nicht ausgeruht werden. Die Konkurrenz in der Nationalmannschaft wie auch bei der Borussia ist groß und die von seinen Trainern  geforderte Konstanz demnach enorm wichtig.


Text: Frederic Zauels, Fotos: siehe Bildunterschrift

Donnerstag, 29. August 2013

DORTMUND IN AUSGEGLICHENER GRUPPE

Hamburg / NYON. Vor der Auslosung dürfte Jürgen Klopp noch einmal Gänsehaut bekommen haben. Als die entscheidenden Szenen der letztjährigen Champions-League Saison über die großen Flatscreens im monegassischen Grimaldi-Forum liefen, wird Dortmunds Trainer mit einem weinenden und lachenden Auge zugesehen haben. Ob die Sterne für ein wiederum erfolgreiches Champions-League-Jahr ähnlich stehen, darüber sollte die folgende Auslosung der Champions-League-Gruppenphase aufklären.

So sahen die Gruppen letzte Saison aus. Dieses Jahr sollte es den BVB nicht so hart erwischen. 

Dass es den Ruhrpott-Verein noch schwerer trifft wie letztes Jahr, als man gegen drei nationale Meister antreten durfte, vermutete wohl niemand. Trotzdem war allen Verantwortlichen wohl im Voraus  klar, dass es wieder auf eine sogenannte „Hammergruppe“ hinauslaufen könnte. Schließlich rutschte der letztjährige Champions-League-Finalist und Bundesliga-Zweite nur vom vierten in den dritten Topf der Auslosung und war damit nicht in der gesetzten Elite des europäischen Klubsfussballs vertreten. Von den Schwergewichten warteten somit einige Mannschaften, die in den letzten fünf Jahren auf europäischer Bühne mehr erreichten als der BVB.

Es kam aber ganz unverhofft. Denn die Dortmunder Mannschaft um Stürmer Robert Lewandowski muss sich nicht mehr auf die letztjährige Champions-League-Saison einstellen, sondern auf ebenjene davor. Mit dem FC Arsenal und dem französischen Vizemeister Olympique de Marseille erwischte die Elf von Jürgen Klopp dieselben Gegner wie noch zwei Jahre zuvor, als man schon in der Gruppenphase scheiterte. Hinzu kommt der SSC Neapel. Die Sizilianer haben sich vor der Saison dank der eingenommenen 70 Millionen Euro durch den Verkauf von Edison Cavani qualitativ sowie quantitativ verstärkt. Alleine die drei von Real Madrid gekommenen Spieler Gonzalo Higuaín, José Maria Callejón sowie Raul Albiol sind ein großes Versprechen für die Zukunft des süditalienischen Klubs. Dazu dürften sie ihrem neuen Trainer Rafael Benitez von einigen gewonnen Erkenntnisse über die Dortmunder berichten. Real Madrid traf in der letzten Saison alleine viermal auf den BVB, zog jedoch sowohl in der Gruppen- als auch K.O.-Phase den Kürzeren. Von vielen neuen qualitativen und teuren Spielern kann der als knausrig geltenden Arsene Wenger nicht berichten. Der FC Arsenal tritt auf der Stelle, was seine Transferpolitik angeht und muss zudem in den nächsten zehn Wochen auf Nationalspieler Lukas Podolski verzichten. Dem Traditionsverein aus dem Norden Londons wird deshalb eine eher untergeordnete Rolle zugeteilt, dabei verfügen sie noch immer über einzigartige Spieler. Santí Carzola und ein wiedergenesener Jack Wilshere sind grandiose Spielgestalter. Im Süden Frankreichs ist es ruhig um die Truppe von Elie Baup geworden. Seit dem Champions-League-Achtelfinale von vor zwei Jahren hat sich die Mannschaft sicher als Tabellenzweiter der Ligue 1 für die Champions League qualifiziert und ist momentan wegen seines Topstürmers und französischen Nationalspielers André-Pierre Gignac (drei Treffer in drei Spielen) Tabellenerster.

Damals schieden die Borussen sang- und klanglos in der Gruppenphase aus. Wurden für ihre naive Spielweise belächelt. Der damalige deutsche Meister verlor trotz spielbestimmenden Angriffsfußball zweimal gegen Marseille und beim FC Arsenal. Angesicht der Tatsache, dass man nur einen Punkt aus den vier Spielen zog, zeigte sich Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke optimistisch dies wieder gut zu machen: „Nun bietet sich uns die Gelegenheit, gegen die Kontrahenten von 2011 zu zeigen, dass wir uns weiterentwickelt haben“ sagte er. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Dortmund in diesem Jahr ein ähnliches Schicksal erleidet. Schließlich befand sich das Groß der Mannschaft noch in einem Reifeprozess. Die Dortmunder müssen sich nun aber trotz keinem kleineren Gegner mit einer Favoritenrolle anfreunden. Ob ihnen diese gefällt, wird die Champions-League-Saison 13/14 zeigen.  

Sonntag, 28. Juli 2013

BORUSSIA DORTMUND IST DER ERSTE SIEGER DER SAISON

Dortmund. Borussia Dortmund hat mit Trainer Jürgen Klopp den ersten Titel der Saison gefeiert. Gegen seinen neuen Kollegen Josep Guardiola vom FC Bayern München wussten die Westfalen durch mannschaftliche Geschlossenheit und eine hohe Laufbereitschaft zu überzeugen. Beim Triple-Sieger aus München müssen hingegen noch einige Schrauben bis zum Saisonstart gedreht werden, wie Kapitän Phillip Lahm herausstellte.



























Der wechselwillige Robert Lewandowski (l). und Nuri Sahin schmücken sich mit und im Supercup. (Foto: Defodi). 

Jürgen Klopp schien das bekannte Grinsen nicht mehr zu verlassen. In einem rasanten und intensiven 
Spiel siegte Borussia Dortmund 4:2 (1:0) gegen den FC Bayern München. Es dürfte vor allem für die Spieler der Borussia ein Fingerzeig dafür sein, dass diese Münchener, der „Alles-Gewinner“ aus dem Vorjahr, nicht unschlagbar sind. Trotzdem schien niemand der Westfalen den Sieg überbewerten zu wollen. Während Jürgen Klopp die anderen Bundesligisten zu den direkten Konkurrenten ernannte („Wir haben letztes Jahr gegen die Bayern zweimal unentschieden gespielt – die Punkte gegen andere Gegner verloren“), wollte auch Innenverteidiger Mats Hummels keinen Vergleich zum Triplegewinner ziehen („Das ist kein Thema bei uns“). Dabei wissen sie in Dortmund noch aus dem letzten Jahr, wie ein Sieg im sportlich unwichtigen Supercup Selbstvertrauen für eine ganze Saison geben kann. Weshalb Hummels wohl noch den Nebensatz, dass sie eine „überragen Mannschaft seien, die viel erreichen kann“, verkündete. Sein Pendant Phillip Lahm versuchte die Niederlage zu relativieren. Man sei noch in der Vorbereitung, müsse noch an einigen Stellen arbeiten, die Abstimmungen haben nicht immer gestimmt.

So weit, so gut, so richtig - taktisch nämlich bekamen wir nur von Bayerns Trainer Guardiola Neues zu sehen, während sich die Borussia auf ihre gewohnten Stärken besann. In ihrem bekannten 4-4-2-Pressing, in welchem der überzeugende Ilkay Gündogan den nach München gewechselten Mario Götze eins zu eins ersetzte, versuchten die Borussen die Bayern früh unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Jürgen Klopp hatte noch vor wenigen Wochen versprochen, dass man „eine neue Pressingmaschine aufbaue“. So griffen, ähnlich wie im Champions-League-Finale, teilweise sieben Dortmunder Spieler in der Hälfte der Bayern an. Tatsächlich unterliefen den Münchener dadurch einige Abspielfehler, wie der von Torhüter Tom Starke, dessen missglückter Abschlag zum 1:0 durch Marco Reus führte (6. Minute). Auch der Münchener Neuzugang Thiago Alcantara, der im neuen fluiden 4-1-4-1-System von Guardiola den einzigen Sechser mimt, streute immer wieder schwere Fehlpässe ein. Offensichtlich auch weil die Devise von Guardiola ein striktes Kurz- und Flachpassspiel ist, welches ein offensives Pressing nicht etwa so leicht, wie lange Bälle überspielt. Dafür war die Offensive der Münchener jedoch zu wenig positionsgetreu, denn während Mandzukic wegen seiner Fähigkeiten ein Abnehmer für lange Bälle gewesen wäre, spielte er häufig über den linken Flügel, während der zweifache Torschütze Robben vermehrt in vorderster Front angriff.

Es schien fast so, als müsse Guardiola die Besonderheiten des BVB-Spiels erst noch kennen lernen. Zwar erkannte er das einzigartige Umschaltspiel der Dortmunder an, doch ist dieses nicht erst seit dem Supercup-Sieg bekannt. Er muss sich hinterfragen ob diese extrem offensive Ausrichtung mit keinem defensiv orientiertem Mittelfeldspieler die richtige Balance bringen kann. In ihrem großen Luxuskader haben die Bayern viele Spieler für wenige Positionen. Naheliegend wäre es neben allen offensiven Impulsgeber auch einen Zweikämpfer, wie es der sich noch im Trainingsrückstand befindende Javi Martínez ist, einzusetzen.  

Angesichts der überzeugenden Testspiele mit neun Siegen in Folge bemühte sich Guardiola jedoch auffällig um Gelassenheit. Zwar habe er ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen, doch gebe es auch noch viel Arbeit zu tun. Er wäre erst einen Monat da, offenbar nicht genügend Zeit, um seine Philosophie den Spielern zu vermitteln. Jürgen Klopp muss seinen Spielern nicht neues vermitteln. Die neue, alte Pressingmaschine der Borussia funktioniert immer noch einwandfrei und erfolgreich. Dazu fiel der für diese Art des Spiels prädestinierte teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte Henrich Mkhytarian sogar noch verletzt aus. Während sich die Bundesliga also wieder auf eine spannende Saison 2013/2014 freuen kann, durften die Dortmunder bereits gestern ein frei nach Jürgen Klopp „geiles Gefühl“ mitnehmen.

Dienstag, 23. April 2013

MARIO GÖTZE IM SCHATTEN

Ein Kommentar.

Ob Mario Götze bei seinem Wechsel zum FC Bayern München an "Echte Liebe" zu seinem aktuellen Verein Borussia Dortmund dachte bleibt fraglich. 

Es ist der wohl größt denkbare Coup vor den deutsch-spanischen Halbfinals in der Champions-League. Dabei ist der Fall ein innerdeutscher: Einer zwischen dem neuen und Rekordmeister Bayern München und dessen aktuell schärfsten Konkurrenten Borussia Dortmund. Dessen größtes Talent seit Jahren und womöglich bester Spieler im eigenen Team Mario Götze wechselt für eine festgeschriebene Ablöse von 37 Millionen Euro zum Südklub. Dabei steht der Zeitpunkt des Wechsels auch im Hinblick auf die Steueraffäre von Uli Hoeneß in einem schlechten Licht.

Als die Gerüchte um den bevorstehenden Wechsel Götzes zum FC Bayern gestern Nacht im Boulevard die Runde machten, glaubten nicht wenige an eine der zahlreichen Enten der letzten Wochen. Ein paar Stunden später aber war für viele Gewissheit. Der BVB klärte auf, dass der 20-Jährige Offensivspieler und sein Berater Volker Struth dem Verein mitgeteilt haben, dass der FC Bayern die im Vertrag verankerte Klausel, den Spieler ohne weitere Nachverhandlungen für 37 Millionen Euro verpflichten zu können, genutzt habe. Eine Summe, die angemessen erscheint, jedoch einen Nachklang durch ein Zitat von Uli Hoeneß erhält. Dieser sagte nach der Verpflichtung des Spaniers Javier Martínez, dass „40 Millionen nie zur Norm werden dürfen“. 

Die Veröffentlichung des Wechsels trifft den Ruhrpottverein zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Kurz vor dem wohl „wichtigsten Spiel der bisherigen Karriere“, so Trainer Jürgen Klopp, wird die Mannschaft mit einem unerwünschten Thema konfrontiert. Gleichzeitig lenkt das Bekanntwerden des Wechsels  die Schlagzeilen zum amtierenden Meister Borussia Dortmund, die mit einer eilig veröffentlichten Pressemitteilung Ruhe in die Angelegenheit bringen wollten. Im Gegensatz zum Ruhrpott-Rivalen dürfte diese Meldung den Bayern deswegen recht kommen. Gestern noch verbat der Verein auf der Pressekonferenz Nachfragen zur Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß und drohte mit dem Abbruch. Einen Tag später vermeldet er den Coup über die Verpflichtung des gefragtesten Spielers aus Deutschland. Der FC Bayern demonstriert eindrucksvoll wie er Meinungen durch lancierte Meldungen lenken kann.  

Mario Götze rückt sich in ein schlechtes Licht. Er erweist seinem Team mit dem Zeitpunkt des Wechsels nicht nur einen Bärendienst, sondern lässt sich auch vermeintlich vor den Karren des Medienmenschen Uli Hoeneß spannen. Sportlich hingegen macht der Transfer für den Offensivspieler durchaus Sinn.

Götze gilt als Pendant zum Weltfußballer Lionel Messi. Der 20-Jährige bekleidete nicht nur bei Borussia Dortmund, sondern auch in der deutschen Nationalmannschaft bereits häufiger die Position des sogenannten Falschen Neuners. Eines Spielers, der sich nicht im Sturmzentrum aufhält, sondern mit Tempo in diesen Raum hineinstößt, während er zuvor im Mittelfeldspiel der Mannschaft aktiv partizipiert. Götzes Anlagen sind dafür prädestiniert. Nicht zuletzt eine ähnliche Karriere wie die des Argentiniers verspricht er sich durch die Zusammenarbeit mit dessen einstigen Trainer und Förderer Pep Guardiola, der bekanntlich zur nächsten Saison beim FC Bayern München übernimmt. Dagegen scheint das in Aussicht gestellte Gehalt von sieben Millionen Euro netto ein minderer Grund. Auch in Dortmund war Götze bereits Spitzenverdiener. 

Dienstag, 2. April 2013

DIE TSG-TRISTESSE

Die Entscheidung kam überraschend: Die TSG Hoffenheim entlässt sowohl Trainer Marco Kurz als auch Manager Andreas Müller fristlos. Auch wenn dieser Schritt wegen der anhaltenden Erfolgslosigkeit nachvollziehbar ist, zeigt er den Dilettantismus mit dem im Kraichgau ein Proficlub geführt wird. Mäzen Dietmar Hopp lässt es sich offenbar immer noch nicht nehmen, direkt in die Geschehnisse des sportlichen Bereichs einzugreifen. So mimt die Hoffenheimer Misere, auch wegen des Theaters um Nationaltorhüter Tim Wiese, einer Komödie nach.

Damals noch am strahlen: Manager Andreas Müller (l.) und seine Trainerverpflichtung Marco Kurz (r.) wurden heute in Hoffenheim entlassen. Foto: via bundesliga.de 

Hamburg. Es schlug die 70. Minute in der Veltins Arena. Im Duell mit dem um die Champions-League kämpfenden FC Schalke war die TSG drauf und dran Punkte im Abstiegskampf aufzuholen. Bis Linksverteidiger Fabian Johnson den Ball leichtfertig im Angriffsspiel abgab und der Schalker Marco Höger den anschließenden Konter mit einem Schuss in den Winkel abschloss. Danach fiel die Mannschaft von Kurz mal wieder auseinander. Am Ende siegte der FC Schalke glatt mit 3:0. Für die Hoffenheimer Mannschaft offensichtlich kein größeres Problem, hatte Manager Andreas Müller sie doch im Voraus bereits in Schutz genommen, als er eine mögliche Niederlage als üblich im Interview bei „sky“ abgestempelt hatte. Doch wenn nicht bei einem in den Leistungen schwankenden FC Schalke, der zuvor noch auf ähnliche Weise in Nürnberg untergegangen ist, gewinnen? Wo und vor allem wann dann, müssen sich Trainer und Manager fragen. Es schien fast so, als seien der erst in der Winterpause gekommene Marco Kurz wie auch der erst seit September 2012 als Manager fungierende Müller amtsmüde, ohne die notwendige Leidenschaft bestückt, den Abstiegskampf anzunehmen.

Leidenschaftliches Verhalten erkannte man als neutraler Beobachter in Hoffenheim auch nur, wenn es gegen Torhüter Tim Wiese ging. Zuerst mit dem Grunde, ihn nach schwächeren Leistungen vor der Außenwelt zu schützen, vom damaligen Trainer Markus Babbel auf die Tribüne versetzt, bis ihn Marco Kurz in der Winterpause dann doch wieder zur Nummer Eins erklärte, um ihm aber gleichzeitig die Kapitänsbinde zu entziehen. Als kurz vor dem Rückrundenstart Manager Müller selbst auf der Torhüterposition intervenierte und kurzerhand Heurelho Gomes verpflichtete wurde Wiese dann nochmals wie ein Spielball auf die Tribüne versetzt. Es folgten Disziplinlosigkeiten Wieses und die Verbannung vom Profitraining. Alleine diese eigentliche Randgeschichte des Hoffenheimer Leistungsabfalls in diesem Jahr mutet einer Zirkusnummer an. Mit Markus Babbel, einigen Millionentransfers wie denen der verheißungsvollen Stürmer Derdiyok aus Leverkusen sowie Joselu von Real Madrid B, sollte es eigentlich wieder Richtung Europa gehen. Doch gut gefüllte Taschen alleine reichen nicht, denn Geld schießt eben nicht immer Tore. Gerade die Zusammensetzung der aktuellen Mannschaft scheint ein großes Problem. Es gibt kaum Spieler, die über einen längeren Zeitraum der TSG verbunden waren. Fehlende Identifikation mit dem Verein drückt sich offenbar jetzt auch in mangelndem Einsatz aus. Die einzigen verbliebenen Spieler aus der Sensationshinrunde 2008, abgeschlossen unter dem damaligen Trainer Rangnick als Tabellenzweiter, sind Andreas Beck und der gerade aus einer schweren Verletzung wiedergenese Sejad Salihovic. An die damals erfolgreiche Zeit erinnert auch der als Retter auserkorene.

Nachfolger soll der zur Blütezeit Hoffenheims beigetragene Markus Gisdol, enger Vertrauter und damaliger Assistent von Ralf Rangnick, werden. In einer Mitteilung von Vereinsseite heißt es, dass der 43-Jährige Fußballtrainer mit dem Neuaufbau für die laufende, wie auch nachfolgende Saison betraut werden soll. Ebenso soll der aktuelle Leiter des Nachwuchsleistungszentrums Alexander Rosen nach „kicker“-Informationen die Aufgaben von Manager Müller interimsweise übernehmen. Bleibt abzuwarten, ob die Vereinsführung, bestehend aus Dietmar Hopp, den in Hoffenheim langjährig bekannten Gesichtern auch bei Erfolgslosigkeit weiterhin das Vertrauen schenkt.

Tim Wiese dagegen wurde am Ostersonntag begnadigt und nahm erstmals seit Februar wieder am offiziellen Mannschaftstraining teil. Offensichtlich war da die Entscheidung über die Zukunft der beiden sportlich Handelnden schon beschlossen. Auch, damit es nicht wie ein Aprilscherz anmutet, wurden die Entlassung wohl erst heute bekannt. Dabei ist im Zirkus Hoffenheim doch heutzutage nicht mehr komisch. 

Samstag, 30. März 2013

DORTMUND VERTAGT DIE MEISTERSCHAFT

Mit den vier Nationalspielern, die am Dienstag noch gegen Fußballzwerg Kasachstan brilliert hatten, wollte Jürgen Klopp die Meisterschaftsfrage noch einmal um eine Woche verschieben. Seine persönliche Bilanz sprach bei  nur zwei Siegen aus 14 Spielen und zuletzt vier Unentschieden gegen den VfB Stuttgart nicht dafür. Die Schwaben dagegen entfernten sich letzte Woche tabellarisch von allen Abstiegsängsten und gingen befreit in das Spiel mit dem noch amtierenden Meister, um später verdient als Verlierer vom Platz zu gehen. Dortmunds Torjäger Lewandowski, mit dem nun neunten Treffer im neunten Spiel, vertagte die Meisterschaftsfrage.  

Lukasz Pisczcek jubelt schon das zweite Mal in dieser Woche. Nach seinem Treffer im Dress der polnischen Nationalmannschaft durfte er auch mit seinen Dortmunder Kollegen feiern. Foto: via Sportschau.de

Hamburg. In der 14. Minute musste selbst Dauerläufer Kevin Großkreutz mal kurz durchatmen. Bis dahin hatte das Spiel keine Pausen gesehen. Abtasten, taktische Feinheiten aufspüren (bei Dortmund spielte etwa Ilkay Gündogan erstmals als verkappter Spielmacher eine Position höher) oder Mittelfeldgeplänkel wurde von beiden Mannschaften nicht im Ansatz in Betracht gezogen. So kam es in den ersten zwanzig Minuten gleich zu mehreren hundertprozentigen Torchancen. Doch zweimal Reus (9. und 19. Minute) gefühlvoll sowie auf anderer Seite Ibrahima Traoré (13.) vergaben freistehend, während das Tor Ibisevic‘ in der 12. Minute zurecht wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Kurz darauf nahm das Spiel jedoch einen anderen Lauf, weshalb unter anderem Dortmunds Trainer Jürgen Klopp später von „überharten“ Eingreifen einiger VfB-Spieler sprach. Zunächst fuchtelte Stuttgarts Martin Harnik mit seinen Beinen im Gesicht von Schmelzer herum und brach ihm dabei die Nase. Ob der Linksverteidiger am Mittwoch in der Champions League beim FC Malaga mit einer Spezialmaske auflaufen kann, ist noch nicht klar, berichtete Klopp anschließend im Interview beim Sender Sky. Die Aktion Harniks war der Startpunkt für einige unschöne Szenen der Stuttgarter, die in einer weiteren gelben Karte für Georg Niedermeier endeten. Trotz spielerischer Überlegenheit gelang es der Borussia in dieser Zeit auch nicht, durch ein sicheres und erhöhtes Passspiel Ruhe in die hektische Partie zu bringen. Der noch im Dress der Nationalmannschaft überzeugende Gündogan brachte in seiner neuen Rolle nicht die nötige Ball –als auch Passfertigkeit auf den Platz. Und am kampfbetonten Spielverlauf änderte auch die verdiente Führung der Borussia nichts. Der für Schmelzer gekommene Piszczek, der schon unter der Woche für die polnische Nationalmannschaft erfolgreich war, traf nach einer Freistoßflanke von Reus in der 27. Minute mit dem Hinterkopf.  

In der zweiten Hälfte zeigte sich der BVB zuerst gewillt, die Führung auszubauen, scheiterte jedoch mehrfach am gut reagierenden Ulreich. Es mutete jedoch weiterhin an, dass die Borussia es nicht versteht, sich mental zwischen Bundesliga und Champions League richtigerweise einzustellen. Demonstration dessen waren einige lässige Passagen, als auch Unzulässigkeiten nach der Pause. In der 58. Minute klärte Götze doppelt auf der Linie. Ein drittes Mal half ihm der Pfosten gegen Rüdigers Schussversuch nach einem Freistoß. In der 63. Minute schien das Glück der Dortmunder aufgebraucht, als der erstmals in der Bundesligastartelf eingesetzte und überzeugende Maxim gleich zum Ausgleich traf, kurze Zeit später sich jedoch seiner aufgrund eines Nasenbeinbruchs im EL-Spiel gegen Lazio Rom erlittenen Maske entledigen durfte. Stuttgarts Trainer opferte den offensiven Rumänen, weil Niedermeier nach groben Einstieg gegen Mario Götze seine zweite gelbe Karte sah. In Überzahl übernahm Dortmund wieder das Spielgeschehen und erspielte sich gleich eine Vielzahl an Chancen. Zwar scheiterten Piszczek und Subotic zuvor noch an Ulreich, doch schließlich war es wieder einmal Robert Lewandowski vorbehalten für die Entscheidung zu sorgen. Bei seinem mittlerweile 20. Saisontor musste der Torjäger nach guter Kombination von Reus und Piszczek nur noch einschieben (82. Minute) und besiegelte so den achten Auswärtssieg dieser Saison.

Der BVB beendete das Spiel mit gemischten Gefühlen. Während der Sieg Selbstvertrauen für das erste Champions-League-Viertelfinale seit dem letzten Triumph aus dem Jahre 1997 geben sollte, überwiegt auch der erneute Schock einer Gesichtsverletzung durch Marcel Schmelzer als auch das Beklagen der vielen Blessuren. Nicht umsonst zeigte sich Kapitän Weidenfeller auch nach dem Spiel noch erbost über die Stuttgarter Mannschaft („so unfair spielt man kein Fußball.“). Für Bruno Labbaddia und seine Mannschaft scheint der letzte Zug zu den europäischen Plätzen der Bundesliga offensichtlich abgefahren. 

Montag, 25. Februar 2013

NEBENSACHE BUNDESLIGA


Mönchengladbach – Die beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach trennen sich in einem langsamen Spiel mit 1:1 unentschieden. Für den amtierenden Meister ist der Meisterschaftszug damit endgültig abgefahren, während die Gladbacher nach dem Ausscheiden im Europapokal einen Achtungserfolg feiern konnten. Bei den Dortmundern ist man deswegen froh, dass sich niemand verletzt hat. Der Fokus liegt bereits auf dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch gegen den Hauptkonkurrenten aus München.

Sebastian Kehl ist in der jungen Dortmunder Mannschaft nicht nur der Erfahrenste, sondern ebenfalls auch Leitwolf und Kapitän. Trotzdem stand der 33-Jährige in seiner bisherigen Karriere selten im Mittelpunkt des Geschehens, geschweige denn avancierte er zum Matchwinner. Heute hätte er dann doch mal die Chance gehabt, aber in der letzten Aktion des Spiels gegen Borussia Mönchengladbach gelang es ihm nicht, den Ball aus kürzester Distanz im leeren Tor ter Stegens unter zu bringen. So trennten sich die beiden Borussias mit einem trostlosen Unentschieden, welches beiden Mannschaften tabellarisch nicht in vordere Regionen pulverisiert, ein Rückschritt hingegen auch nicht darstellt. Die Träume der Meisterschaftsverteidigung sind in Dortmund ohnehin längst begraben.























Dortmunds Marco Reus (r.) kämpft an alter Wirkungsstätte mit Gladbachs 19-Jährigem Torschützen Amin Younes (l.) um den Ball. Foto: Olaf Kozany / Torfabrik.de

Gladbachs Trainer Lucien Favre möchte dagegen gerne wieder ins internationale Geschäft, aus dem man sich am Donnerstagabend noch mit einem schwachen Auftritt bei Lazio Rom verabschiedete. Favres Kollege Klopp hatte ganz andere Sorgen: Nicht die Frische dürfte den Dortmundern gefehlt haben, sondern ein echter Stürmer. Nachdem Robert Lewandowskis Sperre von drei Spielen beim Sportgericht bestätigt wurde und dessen Vertreter Julian Schieber gegen die Frankfurter Eintracht ebenfalls vom Platz gestellt wurde, musste der Dortmunder Trainer im Sturmzentrum umbauen. Letztendlich erfüllte Mario Götze wie bereits im DFB-Länderspiel gegen die Elftal die vakante Position und traf gleich zum Führungstreffer per an ihm selbst verursachten Foulelfmeter (31. Minute). Der Ex-Gladbacher Marco Reus hatte ihn zuvor perfekt bedient. Im Mittelfeld spielte die Hereinnahme Leitners als zusätzlichen offensiven Mittelfeldspieler dem Dortmunder Ballbesitzt in die Karten (Letztlich fehlte es aber vor allem im letzten Offensivdrittel, diesen auch effektiv einzusetzen. Die Gladbacher konnten von fehlender Effektivität nur träumen. Ihr erster Torschuss fiel erst in der 55. Minute. Der junge Amin Younes, ausgebildet in der eigenen Jugend und erst mit seinem zweiten Pflichtspieleinsatz von Beginn an, gab ihn ab und war gleichzeitig der einzige Offensivakteur, der bei Gladbach zu überzeugen wusste.

In der zweiten Halbzeit änderte sich am Spielverlauf wenig, auch wenn Klopp den angeschlagenen Hummels herausnehmen musste. Die Dortmunder müssen sich schlussendlich den Vorwurf gefallen lassen, nicht zielstrebig an der Entscheidung gearbeitet zu haben. Können aber erwidern, dass Gladbach offensiv eigentlich nicht stattfand. So fiel der Ausgleich auch durch einen Zufall: Unverhofft kam nach Aussetzer von Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic, der offenbar von einer Abseitsstellung des eingewechselten Luuk de Jongs ausging, der erst 19-Jährige Younes zum Abschluss und überwand Roman Weidenfeller mit einem abgefälschten Schuss (67.). In der Schlussphase nahm die Dortmunder Pressing –und Spielintensität zunehmend, womöglich auch mit Gedanken an das Pokalviertelfinale gegen Bayern München, ab. Bis zur letzten Minute, als erst der eingewechselte Peniel Mlapa nach tollem Lochpass das unverdiente 2:1 auf dem Fuss hatte, jedoch nur das Außennetz traf und nur wenig später Sebastian Kehl nach toller Einzelleistung Mario Götzes die Dortmunder trotz bester Gelegenheit nicht zum Sieger des Borussenduells schießen konnte. 

Text: Frederic Zauels (C) 

Freitag, 11. Januar 2013

SAHIN ZURÜCK IN DORTMUND


Borussia Dortmund ist der erste Coup der diesjährigen Wintertransferperiode gelungen. Der aus der eigenen Jugend stammende Nuri Sahin kehrt bereits nach eineinhalb Jahren zurück zum amtierenden Deutschen Meister. Für den Mittelfeldspieler ist es eine Herzensangelegenheit. Für die Borussia eröffnet der Transfer viele neue taktische Möglichkeiten.

Sahin wirkt glücklich. Sein Wechsel zu seinem Heimatverein kommt trotzdem spontan. Foto: Getty Images

Hamburg – Auf der extra für ihn eingeräumten Pressekonferenz wirkt Nuri Sahin gelassen und ruhig. Es kommen auch erste Späße über seine Lippen: Jürgen Klopp habe nun endlich wieder  einen sicheren Elfmeterschützen, scherzt der 24-Jährige. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die letzten Jahre dem defensiven Mittelfeldspieler wenig Freude gebracht haben. Nach einem verletzungsbedingt späten Start bei Real Madrid fand Sahin nie in die Spur. Den taktischen Anforderungen José Mourinhos schien er nicht gerecht zu werden. Offenbar auch ungewollt, sein Spielstil, aus der Tiefe mit klugen Pässen zu agieren, zu ändern. In der Hoffnung endlich mehr Spielpraxis zu sammeln, ließ er sich zum englischen Traditionsklub FC Liverpool ausleihen. Doch auch in der Arbeiterstadt fand man für den filigranen Techniker keine Verwendung. Zuletzt wurde der türkische Nationalspieler nicht einmal mehr für den Kader nominiert.

Jetzt aber ist Sahin zurück in Dortmund. Kaum geschlafen habe er diese Nacht, sagt der beste Spieler der Bundesligasaison 2010. Er konnte es kaum erwarten nach Hause zurückzukehren. Sein Zuhause ist die Borussia, bei der er schon seit dem zwölften Lebensjahr spielt und mit damals 16 Jahren und 335 Tagen das Debüt als jüngster Bundesligaspieler aller Zeiten feierte. Die Dortmunder hingegen machten nie einen Hehl daraus, Sahin zurückholen zu wollen, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen realisierbar seien. Offenbar waren sie es. Sahin wird bis zum Ende der Saison 2013/2014 von Real Madrid ausgeliehen und verzichtet angeblich auf große Teile seines Gehalts. Über die Höhe einer Leihgebühr wurde nichts bekannt. Jedoch verriet Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, dass nach dem Leihgeschäft, die Borussia „die Zügel in der Hand halte“. Es wird darüber berichtet, dass sich die Borussia eine Kaufoption im höheren einstelligen Millionenbetrag gesichert habe. 

Inwiefern Sahin dem perfektionierten Dortmunder Spiel noch immer seinen Stempel aufdrücken kann ist dagegen unklar. Der deutsche Nationalspieler mit ebenfalls türkischen Wurzeln Ilkay Gündogan kann inzwischen als würdiger Nachfolger beachtet werden und ist aus der Mannschaft von Jürgen Klopp nicht mehr wegzudenken. Daneben kämpfen der umtriebige und zweikampfstarke Sven Bender mit Kapitän Sebastian Kehl um einen Platz neben ihn. Eine weitere Überlegung wäre eine Systemumstellung der Borussia mit drei spielstarken und zentralen Mittelfeldspielern, ähnlich wie es der FC Barcelona praktiziert. Zunächst wird sich Sahin aber den Anforderungen des intensiven, laufstarken Spiels der Dortmunder stellen - und womöglich hinten anstellen müssen. Trainer Jürgen Klopp ist nämlich nicht bekannt dafür, seine erfolgreichen Mannschaften für einzelne Spieler umzubauen.

So ist die zweite erfreuliche Nachricht des Tages für den Verein aus dem Ruhrpott mindestens von einem ähnlich hohen Stellenwert. Nationalverteidiger Marcel Schmelzer verlängerte seinen Vertrag um vier Jahre bis zum 30. Juni 2017. Der 24-Jahre alte Linksverteidiger spielt seit 2005 bei Borussia Dortmund.

Text: Frederic Zauels