Freitag, 11. Januar 2013

SAHIN ZURÜCK IN DORTMUND


Borussia Dortmund ist der erste Coup der diesjährigen Wintertransferperiode gelungen. Der aus der eigenen Jugend stammende Nuri Sahin kehrt bereits nach eineinhalb Jahren zurück zum amtierenden Deutschen Meister. Für den Mittelfeldspieler ist es eine Herzensangelegenheit. Für die Borussia eröffnet der Transfer viele neue taktische Möglichkeiten.

Sahin wirkt glücklich. Sein Wechsel zu seinem Heimatverein kommt trotzdem spontan. Foto: Getty Images

Hamburg – Auf der extra für ihn eingeräumten Pressekonferenz wirkt Nuri Sahin gelassen und ruhig. Es kommen auch erste Späße über seine Lippen: Jürgen Klopp habe nun endlich wieder  einen sicheren Elfmeterschützen, scherzt der 24-Jährige. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die letzten Jahre dem defensiven Mittelfeldspieler wenig Freude gebracht haben. Nach einem verletzungsbedingt späten Start bei Real Madrid fand Sahin nie in die Spur. Den taktischen Anforderungen José Mourinhos schien er nicht gerecht zu werden. Offenbar auch ungewollt, sein Spielstil, aus der Tiefe mit klugen Pässen zu agieren, zu ändern. In der Hoffnung endlich mehr Spielpraxis zu sammeln, ließ er sich zum englischen Traditionsklub FC Liverpool ausleihen. Doch auch in der Arbeiterstadt fand man für den filigranen Techniker keine Verwendung. Zuletzt wurde der türkische Nationalspieler nicht einmal mehr für den Kader nominiert.

Jetzt aber ist Sahin zurück in Dortmund. Kaum geschlafen habe er diese Nacht, sagt der beste Spieler der Bundesligasaison 2010. Er konnte es kaum erwarten nach Hause zurückzukehren. Sein Zuhause ist die Borussia, bei der er schon seit dem zwölften Lebensjahr spielt und mit damals 16 Jahren und 335 Tagen das Debüt als jüngster Bundesligaspieler aller Zeiten feierte. Die Dortmunder hingegen machten nie einen Hehl daraus, Sahin zurückholen zu wollen, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen realisierbar seien. Offenbar waren sie es. Sahin wird bis zum Ende der Saison 2013/2014 von Real Madrid ausgeliehen und verzichtet angeblich auf große Teile seines Gehalts. Über die Höhe einer Leihgebühr wurde nichts bekannt. Jedoch verriet Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, dass nach dem Leihgeschäft, die Borussia „die Zügel in der Hand halte“. Es wird darüber berichtet, dass sich die Borussia eine Kaufoption im höheren einstelligen Millionenbetrag gesichert habe. 

Inwiefern Sahin dem perfektionierten Dortmunder Spiel noch immer seinen Stempel aufdrücken kann ist dagegen unklar. Der deutsche Nationalspieler mit ebenfalls türkischen Wurzeln Ilkay Gündogan kann inzwischen als würdiger Nachfolger beachtet werden und ist aus der Mannschaft von Jürgen Klopp nicht mehr wegzudenken. Daneben kämpfen der umtriebige und zweikampfstarke Sven Bender mit Kapitän Sebastian Kehl um einen Platz neben ihn. Eine weitere Überlegung wäre eine Systemumstellung der Borussia mit drei spielstarken und zentralen Mittelfeldspielern, ähnlich wie es der FC Barcelona praktiziert. Zunächst wird sich Sahin aber den Anforderungen des intensiven, laufstarken Spiels der Dortmunder stellen - und womöglich hinten anstellen müssen. Trainer Jürgen Klopp ist nämlich nicht bekannt dafür, seine erfolgreichen Mannschaften für einzelne Spieler umzubauen.

So ist die zweite erfreuliche Nachricht des Tages für den Verein aus dem Ruhrpott mindestens von einem ähnlich hohen Stellenwert. Nationalverteidiger Marcel Schmelzer verlängerte seinen Vertrag um vier Jahre bis zum 30. Juni 2017. Der 24-Jahre alte Linksverteidiger spielt seit 2005 bei Borussia Dortmund.

Text: Frederic Zauels