Samstag, 30. März 2013

DORTMUND VERTAGT DIE MEISTERSCHAFT

Mit den vier Nationalspielern, die am Dienstag noch gegen Fußballzwerg Kasachstan brilliert hatten, wollte Jürgen Klopp die Meisterschaftsfrage noch einmal um eine Woche verschieben. Seine persönliche Bilanz sprach bei  nur zwei Siegen aus 14 Spielen und zuletzt vier Unentschieden gegen den VfB Stuttgart nicht dafür. Die Schwaben dagegen entfernten sich letzte Woche tabellarisch von allen Abstiegsängsten und gingen befreit in das Spiel mit dem noch amtierenden Meister, um später verdient als Verlierer vom Platz zu gehen. Dortmunds Torjäger Lewandowski, mit dem nun neunten Treffer im neunten Spiel, vertagte die Meisterschaftsfrage.  

Lukasz Pisczcek jubelt schon das zweite Mal in dieser Woche. Nach seinem Treffer im Dress der polnischen Nationalmannschaft durfte er auch mit seinen Dortmunder Kollegen feiern. Foto: via Sportschau.de

Hamburg. In der 14. Minute musste selbst Dauerläufer Kevin Großkreutz mal kurz durchatmen. Bis dahin hatte das Spiel keine Pausen gesehen. Abtasten, taktische Feinheiten aufspüren (bei Dortmund spielte etwa Ilkay Gündogan erstmals als verkappter Spielmacher eine Position höher) oder Mittelfeldgeplänkel wurde von beiden Mannschaften nicht im Ansatz in Betracht gezogen. So kam es in den ersten zwanzig Minuten gleich zu mehreren hundertprozentigen Torchancen. Doch zweimal Reus (9. und 19. Minute) gefühlvoll sowie auf anderer Seite Ibrahima Traoré (13.) vergaben freistehend, während das Tor Ibisevic‘ in der 12. Minute zurecht wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Kurz darauf nahm das Spiel jedoch einen anderen Lauf, weshalb unter anderem Dortmunds Trainer Jürgen Klopp später von „überharten“ Eingreifen einiger VfB-Spieler sprach. Zunächst fuchtelte Stuttgarts Martin Harnik mit seinen Beinen im Gesicht von Schmelzer herum und brach ihm dabei die Nase. Ob der Linksverteidiger am Mittwoch in der Champions League beim FC Malaga mit einer Spezialmaske auflaufen kann, ist noch nicht klar, berichtete Klopp anschließend im Interview beim Sender Sky. Die Aktion Harniks war der Startpunkt für einige unschöne Szenen der Stuttgarter, die in einer weiteren gelben Karte für Georg Niedermeier endeten. Trotz spielerischer Überlegenheit gelang es der Borussia in dieser Zeit auch nicht, durch ein sicheres und erhöhtes Passspiel Ruhe in die hektische Partie zu bringen. Der noch im Dress der Nationalmannschaft überzeugende Gündogan brachte in seiner neuen Rolle nicht die nötige Ball –als auch Passfertigkeit auf den Platz. Und am kampfbetonten Spielverlauf änderte auch die verdiente Führung der Borussia nichts. Der für Schmelzer gekommene Piszczek, der schon unter der Woche für die polnische Nationalmannschaft erfolgreich war, traf nach einer Freistoßflanke von Reus in der 27. Minute mit dem Hinterkopf.  

In der zweiten Hälfte zeigte sich der BVB zuerst gewillt, die Führung auszubauen, scheiterte jedoch mehrfach am gut reagierenden Ulreich. Es mutete jedoch weiterhin an, dass die Borussia es nicht versteht, sich mental zwischen Bundesliga und Champions League richtigerweise einzustellen. Demonstration dessen waren einige lässige Passagen, als auch Unzulässigkeiten nach der Pause. In der 58. Minute klärte Götze doppelt auf der Linie. Ein drittes Mal half ihm der Pfosten gegen Rüdigers Schussversuch nach einem Freistoß. In der 63. Minute schien das Glück der Dortmunder aufgebraucht, als der erstmals in der Bundesligastartelf eingesetzte und überzeugende Maxim gleich zum Ausgleich traf, kurze Zeit später sich jedoch seiner aufgrund eines Nasenbeinbruchs im EL-Spiel gegen Lazio Rom erlittenen Maske entledigen durfte. Stuttgarts Trainer opferte den offensiven Rumänen, weil Niedermeier nach groben Einstieg gegen Mario Götze seine zweite gelbe Karte sah. In Überzahl übernahm Dortmund wieder das Spielgeschehen und erspielte sich gleich eine Vielzahl an Chancen. Zwar scheiterten Piszczek und Subotic zuvor noch an Ulreich, doch schließlich war es wieder einmal Robert Lewandowski vorbehalten für die Entscheidung zu sorgen. Bei seinem mittlerweile 20. Saisontor musste der Torjäger nach guter Kombination von Reus und Piszczek nur noch einschieben (82. Minute) und besiegelte so den achten Auswärtssieg dieser Saison.

Der BVB beendete das Spiel mit gemischten Gefühlen. Während der Sieg Selbstvertrauen für das erste Champions-League-Viertelfinale seit dem letzten Triumph aus dem Jahre 1997 geben sollte, überwiegt auch der erneute Schock einer Gesichtsverletzung durch Marcel Schmelzer als auch das Beklagen der vielen Blessuren. Nicht umsonst zeigte sich Kapitän Weidenfeller auch nach dem Spiel noch erbost über die Stuttgarter Mannschaft („so unfair spielt man kein Fußball.“). Für Bruno Labbaddia und seine Mannschaft scheint der letzte Zug zu den europäischen Plätzen der Bundesliga offensichtlich abgefahren.