Sonntag, 28. Juli 2013

BORUSSIA DORTMUND IST DER ERSTE SIEGER DER SAISON

Dortmund. Borussia Dortmund hat mit Trainer Jürgen Klopp den ersten Titel der Saison gefeiert. Gegen seinen neuen Kollegen Josep Guardiola vom FC Bayern München wussten die Westfalen durch mannschaftliche Geschlossenheit und eine hohe Laufbereitschaft zu überzeugen. Beim Triple-Sieger aus München müssen hingegen noch einige Schrauben bis zum Saisonstart gedreht werden, wie Kapitän Phillip Lahm herausstellte.



























Der wechselwillige Robert Lewandowski (l). und Nuri Sahin schmücken sich mit und im Supercup. (Foto: Defodi). 

Jürgen Klopp schien das bekannte Grinsen nicht mehr zu verlassen. In einem rasanten und intensiven 
Spiel siegte Borussia Dortmund 4:2 (1:0) gegen den FC Bayern München. Es dürfte vor allem für die Spieler der Borussia ein Fingerzeig dafür sein, dass diese Münchener, der „Alles-Gewinner“ aus dem Vorjahr, nicht unschlagbar sind. Trotzdem schien niemand der Westfalen den Sieg überbewerten zu wollen. Während Jürgen Klopp die anderen Bundesligisten zu den direkten Konkurrenten ernannte („Wir haben letztes Jahr gegen die Bayern zweimal unentschieden gespielt – die Punkte gegen andere Gegner verloren“), wollte auch Innenverteidiger Mats Hummels keinen Vergleich zum Triplegewinner ziehen („Das ist kein Thema bei uns“). Dabei wissen sie in Dortmund noch aus dem letzten Jahr, wie ein Sieg im sportlich unwichtigen Supercup Selbstvertrauen für eine ganze Saison geben kann. Weshalb Hummels wohl noch den Nebensatz, dass sie eine „überragen Mannschaft seien, die viel erreichen kann“, verkündete. Sein Pendant Phillip Lahm versuchte die Niederlage zu relativieren. Man sei noch in der Vorbereitung, müsse noch an einigen Stellen arbeiten, die Abstimmungen haben nicht immer gestimmt.

So weit, so gut, so richtig - taktisch nämlich bekamen wir nur von Bayerns Trainer Guardiola Neues zu sehen, während sich die Borussia auf ihre gewohnten Stärken besann. In ihrem bekannten 4-4-2-Pressing, in welchem der überzeugende Ilkay Gündogan den nach München gewechselten Mario Götze eins zu eins ersetzte, versuchten die Borussen die Bayern früh unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Jürgen Klopp hatte noch vor wenigen Wochen versprochen, dass man „eine neue Pressingmaschine aufbaue“. So griffen, ähnlich wie im Champions-League-Finale, teilweise sieben Dortmunder Spieler in der Hälfte der Bayern an. Tatsächlich unterliefen den Münchener dadurch einige Abspielfehler, wie der von Torhüter Tom Starke, dessen missglückter Abschlag zum 1:0 durch Marco Reus führte (6. Minute). Auch der Münchener Neuzugang Thiago Alcantara, der im neuen fluiden 4-1-4-1-System von Guardiola den einzigen Sechser mimt, streute immer wieder schwere Fehlpässe ein. Offensichtlich auch weil die Devise von Guardiola ein striktes Kurz- und Flachpassspiel ist, welches ein offensives Pressing nicht etwa so leicht, wie lange Bälle überspielt. Dafür war die Offensive der Münchener jedoch zu wenig positionsgetreu, denn während Mandzukic wegen seiner Fähigkeiten ein Abnehmer für lange Bälle gewesen wäre, spielte er häufig über den linken Flügel, während der zweifache Torschütze Robben vermehrt in vorderster Front angriff.

Es schien fast so, als müsse Guardiola die Besonderheiten des BVB-Spiels erst noch kennen lernen. Zwar erkannte er das einzigartige Umschaltspiel der Dortmunder an, doch ist dieses nicht erst seit dem Supercup-Sieg bekannt. Er muss sich hinterfragen ob diese extrem offensive Ausrichtung mit keinem defensiv orientiertem Mittelfeldspieler die richtige Balance bringen kann. In ihrem großen Luxuskader haben die Bayern viele Spieler für wenige Positionen. Naheliegend wäre es neben allen offensiven Impulsgeber auch einen Zweikämpfer, wie es der sich noch im Trainingsrückstand befindende Javi Martínez ist, einzusetzen.  

Angesichts der überzeugenden Testspiele mit neun Siegen in Folge bemühte sich Guardiola jedoch auffällig um Gelassenheit. Zwar habe er ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen, doch gebe es auch noch viel Arbeit zu tun. Er wäre erst einen Monat da, offenbar nicht genügend Zeit, um seine Philosophie den Spielern zu vermitteln. Jürgen Klopp muss seinen Spielern nicht neues vermitteln. Die neue, alte Pressingmaschine der Borussia funktioniert immer noch einwandfrei und erfolgreich. Dazu fiel der für diese Art des Spiels prädestinierte teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte Henrich Mkhytarian sogar noch verletzt aus. Während sich die Bundesliga also wieder auf eine spannende Saison 2013/2014 freuen kann, durften die Dortmunder bereits gestern ein frei nach Jürgen Klopp „geiles Gefühl“ mitnehmen.