Donnerstag, 16. Januar 2014

ALLES AUF NULL - UND SONST?


Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zieht nach dem Trainingslager bei La Manga in Spanien ein positives Fazit. Doch gibt es bereits vor dem Beginn der Rückrunde neue Probleme für die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet. Die erhoffte Rückkehr von Spielgestalter Ilkay Gündogan verzögert sich weiterhin. Dazu ist seine Zukunft beim BVB mehr als offen. Die Nationalspieler Bender, Sahin und Sokratis zogen sich leichte Blessuren zu. Ein neues Konzept gegen die Niederlagenserie zu Ende der Hinrunde scheint aber nicht in Aussicht.

Mittelfeldspieler und Zweikämpfer mit Leib und Seele Sven Bender berichtete zu Beginn des Trainingslagers im spanischen La Manga, dass Jürgen Klopp nur so vor Tatenfreude sprudele. Seine Motivation für diesen Sport sei unerschöpflich, hieß es. Das hört der gemeine Fußballfan nicht zum ersten Mal. Auch vor der eher durchwachsenen Hinrunde strotze der teilweise übermütige Trainer nur so vor Energie. Seine Borussia hatte in der Vorsaison keinen Titel gewonnen. Die Schwarz-Gelben, allen voran Startrainer und Werbeikone Jürgen Klopp, glaubten mit den alten Tugenden der Laufbereitschaft und eines noch intensiveren Pressings  den offenbar übermächtigen Konkurrenten aus München eine Schnippe zu schlagen. Doch während die Triple-Gewinner aus dem letzten Jahr auch unter dem neuen Trainer Pep Guardiola einsam ihre Kreise ziehen, in der Bundesliga bereits mit zehn Punkten vorgeprescht sind, in Champions-League und DFB-Pokal sicher für die nächsten Runden qualifiziert, läuft es bei den Dortmundern eher durchwachsen. Tabellenplatz vier, hinter Hauptkonkurrent Leverkusen sowie dem Überraschungsteam aus Mönchengladbach ist nicht der Anspruch des Ballspielvereins. Gerade die Niederlagenserie zum Ende der Hinrunde, als die Bayern schon einige Punkte entfernt waren, wirft Fragen auf. Ist die Motivation bei einigen Spielern aufgrund der Unerreichbarkeit des Kontrahenten noch immer bei den von Jürgen Klopp eingeforderten einhundert-zwanzig Prozent? Oder genügt es die schwachen Leistungen auf das große Verletzungspech zurückzuführen? Immerhin fielen teilweise tatsächlich mehr als sechs Stammspieler des letztjährigen Champions-League-Finals aus.

Im Trainingslager zur Vorbereitung auf die Rückrunde durfte das Trainergespann um Klopp und Co-Trainer Buvac wieder fast alle Spieler begrüßen. Bis auf Innenverteidiger Neven Subotic, der voraussichtlich keine zweite Kreuzband-Operation benötigt, aber trotzdem bis zur nächsten Saison ausfällt, kamen alle Spieler mit an die spanische Mittelmeerküste. Aber bis zur Rückkehr von Subotic Positions-Partner und erstem Spieleröffner Mats Hummels dauert es noch mindestens bis zum zweiten Spieltag der Rückrunde. Noch wichtiger für das schnelle Umschaltspiel ist Ideen- und Taktgeber Ilkay Gündogan. Wegen seiner undefinierbaren Rückenverletzung fällt der Nationalspieler bereits seit über sechs Monaten aus. Das Wirbelgeleiten strahlt mittlerweile auch auf andere Körperteile aus. Die erhoffte Rückkehr ist erst einmal verschoben. Auch wegen einer zusätzlichen Bronchitis, die sich der 22-Jährige bei den kühlen Temperaturen in Spanien zuzog. Die Personalsituation bleibt also angespannt. Nichts desto trotz entscheidet auch die Taktik ein Spiel. Und hier scheint sich das Trainergespann noch keine neuen Ideen einfallen lassen.

Wie lange ist das extrem laufintensive Umschaltspiel der Borussia noch modern? Oder kürzer: erfolgreich? Auf lokaler Ebene, sprich in der Bundesliga, scheinen sich viele Teams bereits auf die Taktik von Dortmund eingestellt zu haben. Für andere ist nicht mehr das Spiel gegen die Bayern das Wichtigste der Saison. Die sind sowieso unschlagbar. Aber Dortmund scheint an einem schlechten Tag noch in Reichweite. Ein Sieg gegen die Borussia ist für die Fans und Spieler gleichfalls prestigeträchtig. Auf internationaler Ebene läuft es einfacher. Hier wollen die meisten Teams auch selber noch mitspielen, weil die finanziellen Mittel größer sind. Dortmund ist trotz des Finaleinzugs im letzten Jahr in der internationalen Wahrnehmung noch recht klein. Der Jahresetat natürlich auch. In der schwersten Vorrundengruppe der Champions-League-Gruppenphase qualifizierte sich das Team, wenn auch glücklich, als Sieger. Im Achtelfinale wartet mit Zenit St. Petersburg deshalb auch ein vermeintlich leichter Gegner.

So deuten die Aussagen von Linksverteidiger Marcel Schmelzer auch daraufhin, dass in der Rückrunde vor allem noch die Pokalwettbewerbe ins Auge gefasst werden. Auf langer Distanz scheint der FC Bayern derzeit unschlagbar. Aber in einem Spiel ist schließlich alles möglich. Es ist die einzige Hoffnung für die Borussia. Dabei sollte sie das Tagesgeschäft Bundesliga nicht aus den Augen verlieren. Der schnörkellose Fußball der Werkself aus Leverkusen spielt derzeit eindeutig effektiver als die Borussia. Im Ballbesitzfußball der anderen Borussia aus Gladbach liegt vielleicht die Zukunft. Es gilt deswegen auch für Jürgen Klopp neue Konzepte zu entwickeln. Denn irgendwann gehen auch bei Niederlagen dem besten Motivationskünstler einmal die Argumente aus. 

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