Montag, 27. Januar 2014

MÄNNERSPORT FUßBALL

Hamburg. Vor kurzem entschied sich der langjährige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zu einem Coming-Out. Öffentlich erklärte er, dass er eine Vorliebe für Männer habe. „Etwas ganz normales“ meinten einige Medien und auch der DFB-Vorsitzende Wolfgang Niersbach. Doch genau genommen, scheint Homosexualität im deutschen Profifußball nicht normal, achtet man genauer auf die Aussagen einiger Beteiligten.

              Jens Lehmann in der Fußballtalkshow SKY90. Foto: Screenshot von Sky90 - KIA Fußballdebatte

Nachdem die Bayern auch den Rückrundenauftakt gegen den direkten Konkurrenten aus Mönchengladbach erfolgreich bestritten, ist ihnen die Meisterschaft kaum mehr zu nehmen. Die Gründe für den Sieg? Einige Taktikexperten referieren dazu über Tiki-Taka, das wunderschöne Kurzpassspiel der Spanier, das es dem Gegner nicht ermöglicht an den Ball zu kommen. Münchens Thomas Müller, Nationalspieler, Triplesieger und Torschützenkönig einer Weltmeisterschaft erklärt hingegen kurz nach dem Spiel: Man habe wieder echten „Männer-Profi-Fußball“ gezeigt. Es ist nicht einfach, sich aus diesem Statement einen Reim zu machen. Wahrscheinlich müsste man Müller, der in Interviews sich gerne witzig und eloquent gibt, fragen, was denn ein „Nicht-Männer-Profi-Fußball“ sei. Doch viele assoziieren zwangsläufig eine weiche Form des Fußballs mit diesen Aussagen. Ein nicht so aggressives Spiel. Ein körperloses Spiel, wie es verweichtlichen, mimosenhaften Spielern zugeschrieben wird. Diese Aussagen sind insofern gefährlich, lassen sie doch den Schulterschluss zu, dass Divergenz im Fußball tabu ist. Um zu gewinnen, muss man ein Mann sein.

Doch des Müllers nicht genug, trat auch noch ein anderer (ehemaliger) Nationalspieler auf den Plan. In der Fußballtalkshow des Bezahlsenders Sky äußerte sich Jens Lehmann, ehemaliger Nationaltorwart, in ähnlicher Weise. Fußball, dass sei ein „Männerding“ in dem Sinne, dass Schwächen, und darunter versteht Lehmann die Homosexualität, nicht geduldet werden. Es sei ja nicht so „dass da [beim Fußball] 25 Hochintellektuelle rumlaufen, die mal darüber diskutieren ob jemand jetzt schwul ist oder nicht.“ Nicht nur das, auch sei es komisch, mit schwulen Spielern Duschen zu gehen. Lehmanns Aussagen mögen authentisch sein und zu ihm passen, zeigen aber dennoch ausschließlich seinen homophoben Charakter. Lehmann hat sich stets fachkundig zu Fußballfragen geäußert, gesellschaftliche Themen scheinen nicht sein Spezialgebiet zu sein. Dazu passt, dass er homosexuellen Fußballern nicht raten würde, sich öffentlich zu ihrer Liebe zu äußern.

Der deutsche Fußball, er scheint seine Lehren aus dem Coming-Out Hitzlsperger nicht zu ziehen. Warum können sich Menschen, zum großen Teil, in Deutschland auf der Straße frei lieben. Im Fußball, der doch angeblich die gesellschaftliche Mitte darstellen soll, funktioniert dies aber nicht. Das liegt auch an Persönlichkeiten wie Lehmann oder Müller. Die Sportler sind, durch und durch und ihre Sportart deswegen auch als Männersportart verstehen. Dazu passt die Assoziation, wie sie Lehmann selbst nennt, dass schwule Fußballer auch weich seien und kein vernünftiges Zweikampfverhalten an den Tag legen. In der Realität ist das oftmals anders: siehe nur das Beispiel Thomas Hitzlsperger. 

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